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Autor Thema: OP nach Nuss, hätte ja klappen können  (Gelesen 407 mal)

Honeylee

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OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« am: 14. August 2017, 21:12:44 »

Hallöchen zusammen,
ich will hier in diesem Beitrag einfach mal niederschreiben, wie es mir mit meiner TB Operation ergangen ist.

Das ganze ist jetzt schon ziemlich genau 7 Jahre her.

Seit meiner Kindheit habe ich die Trichterbrust schon, und diese hat sich mit den Jahren auch nicht wirklich verbessert, eher umgekehrt. Wobei dazu gesagt werden muss, dass trotz Delle im Brustkorb Sport etc. alles kein Problem war.
Deswegen waren auch mehrere Arztbesuche fällig und mir wurde schlussendlich die Methode nach Nuss empfohlen.
Soweit sogut, dann galt es also erstmal die Krankenkasse zu überzeugen, weil der ganze Spaß ist ja nicht billig.
Ich habe also alle möglichen Ärzte abgeklappert und fleißig Gutachten gesammelt. Was die KK allerdings nicht die Bohne interessierte.
Ausschlaggebend war im Endeffekt nur der Haller-Index. Wem das nichts sagt: Das ist die innere Breite des Brustkorbs (also zwischen den Rippen) geteilt durch den Abstand vom Brustbein bis zur Wirbelsäule. Beispiel: 30cm (Breite) : 12cm (Tiefe) ergibt einen Haller-Index von 2,5, was laut Wiki einen Normalwert darstellt.
Je größer also dieser Index, desto ausgeprägter die TB. Meiner Erinnerung nach, verlangte die Kasse mindestens eine 3,2. Also ließ ich mir die Brust durchleuchten und vermessen.
Das Ergebnis: Eine glatte 4,0. Bingo!
So erhielt ich also die Kostenübernahme der Krankenkasse und konnte mich 2 Tage nachdem ich mir noch in Wacken die Nackenmuskeln gestärkt hatte, im Krankenhaus einquartieren.
Dann hat es noch 2 weitere Tage bis zu meinem OP-Termin gedauert und dann ging es auch schon los.
Der Eingriff verlief soweit einwandfrei. Die Einschnitte heilten gut und auch an das anfangs unangenehme Druckgefühl habe ich mich gewöhnt. Mit Schmerzen hatte ich tatsächlich keine großen Probleme. Und so konnte ich die Klinik nach 10 Tagen wieder verlassen und sah 2 Jahren mit einer Wolverine-Rippe entgegen.
Na gut, als Karatesportler musste ich mich von nun an ein wenig zurücknehmen, aber das war ja nicht für immer.

Und dann fing der weniger angenehme Teil der Geschichte an.

Circa 1 Monat nach der OP fiel mir auf, dass sich die Narbe auf der linken Seite gerötet hatte und entzündet wirkte. Ich bin also zu meinem Hausarzt, um mal einen professionellen Blick darauf werfen zu lassen. Es war allerdings nur eine Vertretung da, die feststellte, dass die Wunde tatsächlich eitrig und entzündet war. Mir wurde gesagt, ich solle das in dem Krankenhaus, wo ich operiert wurde, nochmal untersuchen lassen. Nicht zwingend heute oder morgen, aber so in den nächsten Tagen mal.
So hatte ich mir das dann auch vorgenommen. Daraus wurde allerdings nichts.
Am Abend tat mir die Brust so sehr weh, dass ich weder stehen, noch sitzen, noch liegen konnte. In der Nacht habe ich vor Schmerz kein Auge zubekommen. Am nächsten Morgen bin ich direkt ins Krankenhaus gebracht worden. Man sagte mir, man müsse auf jeden Fall nochmal reinschauen und herausfinden, ob die Entzündung den Bügel erreicht hatte. In diesem Fall müsste man das Metall nämlich wieder entfernen. War mir in dem Moment tatsächlich herzlichst egal, solange die Schmerzen aufhörten.
Ich wurde narkotisiert und bin dann irgendwann gegen 3 Uhr morgens auf der Intensivstation wieder auf. Das erste was ich hörte war das Piepen meines Herzmonitors. Whew! Nochmal gutgegangen.
Ein Pfleger erklärte mir dann was alles passiert sei. Meine Leukozyten lagen wohl bei über 20000 (soll heißen: ganz ganz verdammt viel zu hoch), der Bügel musste entfernt werden und an dessen Stelle wurde mir eine Drainage eingesetzt, um den Wundkanal spülen zu können. Die Wunden links und rechts am Brustkorb wurden mit Tamponade vollgepackt.
Es folgten 20 weitere Tage im Krankenhaus. Von den Schmerzen bekam ich zum Glück nicht viel mit, Opioiden sei Dank.
Das tatsächlich Schlimmste in diesen knapp 3 Wochen war der Tag an dem mir die Drainage gezogen wurde. Ein ca. 30cm langer Gummischlauch, der einem quer durch die Brust gezogen wird fühlt sich einfach nicht gut an. Das war für den Tag natürlich nicht alles. Einige Stunden kam ein Arzt zu mir ins Zimmer und erzählte mir, dass mir jeweils links und rechts noch eine verkürzte Drainage eingesetzt werden würde, welche Stück für Stück herausgezogen werden würden, sodass der Wundkanal von innen zuwächst...na klasse! Wieder Gummi statt Stahl in der Brust.
Wiederum ein paar Stunden später kam der selbe Arzt mit einem Ultraschallgerät zurück. Es hatte sich nämlich auch noch ein guter halber Liter Flüssigkeit in meiner Brust gesammelt. Deshalb wurde mir ein Katheter gesetzt (Zitat vom Oberarzt zum Stationsarzt:"Ach, nehmen Sie ruhig die lange Nadel.").

Irgendwann wurde ich dann entlassen. Und naja...das wars. Ein Wiederholung der OP ist aufgrund des Narbengewebes in meinem Thorax nicht möglich. Alles was bleibt sind eine leichte Asymmetrie der Rippenbögen, zwei Narben, ein Metallbügel in mein Schrank und....die Trichterbrust. 1 Monat reicht einfach nicht aus, um auch nur die kleinste Verbesserung zu bewirken.
Woher genau die Entzündung kam konnte man nicht ermitteln.


Ich habe diesen Text keinesfalls verfasst, um irgendjemanden abzuschrecken. OP bleibt nunmal OP. Mit allen damit verbundenen Risiken und Eventualitäten.
Nach wie vor halte ich die Methode nach Nuss für gut. Sollte man die Möglichkeit dazu bekommen kann man diese ruhig wahrnehmen. Und wer die nicht bekommt oder aus anderen Gründen mit einer TB lebt. Dann ist das so. Es gibt Schlimmeres. Man sollte sich davon nicht unterkriegen lassen. Dann wird man halt im Schwimmbad ein bisschen komisch angeguckt. Körperliche Makel hat jeder. Und die TB steht mir weder bei einem körperlich anstrengenden Job, noch bei Beziehungen im Weg.
Außerdem, bei entsprechend tiefem Trichter kann man im Sitzen ganz entspannt eine Flasche Bier reinstellen und ist auf keinen Tisch angewiesen.

Wenn jemand Fragen hat: Nur her damit!

Stay positive!


Hannes
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Sascha

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #1 am: 15. August 2017, 13:44:39 »

Moin,

recht ähnlich lief es auch bei meiner ersten Nuss Op (2000), allerdings hatte ich den Bügel immerhin 5 Monate drin. Ist aber auch gleich wieder eingefallen, war zu riskant ihn drinnen zu lassen. Danach entschied ich mich dummerweise für die Erlanger Spaß Op und die Probleme fingen erst so richtig an...

Versuche dein Glück auch ruhig mal bei Dr. Lützenberg oder Dr. Tarhan zum Beispiel, die schauen sich auch durchaus die Problemfälle an.

Viel Glück
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OPs :
2000 (Nuss), vorzeitge Entnahme, da innere Blutungen, keine Schmerzen
2003 (Erlangen), Grausame Optik, direkter wiedereinfall, dauerhafte Schmerzen
2005 (Nuss) Brust stabil, nach Bügelentnahme bleibende Schmerzen
2014 (Erlangen-Synthes) vollständige Fixierung + optische verbesserung, bleibende schmerzen
Alter bei Ops : 16,18,20,29.

Größe : 1,70  Gewicht ca. 75 Kg

RyanSports

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #2 am: 15. August 2017, 21:06:20 »

Ich denke mal das du wahrscheinlich selbst schuld warst weil du nicht gut auf die Wunden aufgepasst hast. warum sollte es sich sonst entzünden?
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ex.pectus

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #3 am: 16. August 2017, 10:32:54 »

Ich denke mal das du wahrscheinlich selbst schuld warst weil du nicht gut auf die Wunden aufgepasst hast. warum sollte es sich sonst entzünden?

Und wie stellst du dir das Aufpassen durch den Patienten, dass sich nichts entzündet/infiziert, vor?
Tipp für Google Suche: postoperative wundinfektion ursachen
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Trichter-/Kielbrust Nuss-OP 22.10.2010 (43 J, m, 185 cm, 71,5 kg, Berlin-Buch Prof. Schaarschmidt)
2. OP=Bügelentfernung 20.11.2013 (Magdeburg, Dr. Lützenberg)
meine Trichterbrust-OP-Seite

Heiko

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #4 am: 16. August 2017, 11:39:31 »

Ich denke mal das du wahrscheinlich selbst schuld warst weil du nicht gut auf die Wunden aufgepasst hast. warum sollte es sich sonst entzünden?

Das spricht aber für wenig bis gar keine Ahnung. Man kann natürlich durch zu frühe einen Riss der Narbe hervorrufen. Aber eine OP verläuft nie ganz steril. Es können Keime reinkommen, man kann allergisch auf das Nahtmaterial reagieren, man kann Probleme mit der Blutgerinnung haben etc.
Bin selbst von massiven Wundheilungsstörungen betroffen. Ich hatte mal ein Gespräch mit einem sog. Heiler, der mir erzählt hat, dass es gar keine Krankheiten gibt. Sprich: Krebs etc. sind alles Einbildung. Dazu gibt es wohl auch zig Seminare und es gibt sichtlich auch genug Leute, die da waren und das nun glauben. Einige Sachen zu hinterfragen ist nie verkehrt und so sollte man sich nach einer Wundinfektion mal auf Ursachenforschung begeben inkl. Selbstreflektion, ob man nicht irgendetwas falsch gemacht hat. Aber man kann sich auch gerne mal mit einem Chirurgen unterhalten und auch wird bezeugen, dass zwar in der Regel alles gut verheilt, aber dass es auch im Jahr 2017 stets zu unvorhersehbaren Komplikationen kommen kann.
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RyanSports

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #5 am: 16. August 2017, 22:47:47 »

naja ich bin kein artzt aber normalerweise kommt sowas nur wenn man zu viel auf den wunden rumdrückt. wenn die noch nicht ganz dicht sind dann kann man bakterien reindrücken und dann entzündet es sich. bei der op ziehen die sich extra sterile kleidung und handschuhe an wo keine bakterien dran sind.
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annaj

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #6 am: 16. August 2017, 23:18:15 »

eine Entzündung kann ja mehrere Ursachen haben. Man kan sehr wohl die Voraussetzungen dafür minimieren, indem man auf seine Gesundheit aufpasst. Das heisst sich zu bewegen, gesund ernähren, sich mit Giftstoffe nicht belasten... ihr weisst schon...
Bei dir Heiko interessiert vielleicht den Begriff Epigenetics, google mal. Als einfaches Beispiel: dein DNA ist eine geladene Waffe, das was du dein Körper im negativen Sinne antust ist der Auslöser. Das könnt ihr ruhig als Hoffnung ansehen.
« Letzte Änderung: 16. August 2017, 23:21:41 von annaj »
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Weiblich.
1989-2011/01 Silikonimplantat. (16 J)
2011/03 Nuss-OP (modifiziert), dr. Lützenberg, Berlin Charité. (fast 39 J)
2013/08 Stabentfernung, dr. Lützenberg, Uniklinik Magdeburg. Zusätzlich würde grossflächig Muskeln versetzt (versuch Brustrekonstruktion, Knorpel wurde abgeschliffen usw)
2014/04 Brustrekonstruktion, Silikon in beide Brüste. Kleine Korrektur 2014/09 bei dr. Lützenberg.

Heiko

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Re: OP nach Nuss, hätte ja klappen können
« Antwort #7 am: 17. August 2017, 00:47:47 »

Danke für den Hinweis. Ich beschäftige mich mit allem. Bin kommende Woche im Uniklinikum Hamburg und habe dort eine Besprechung wegen des in der Entwicklung befindlichen Plasminogen Substitut aus Kanada. Vielleicht liegt da ja in der Tat mein Problem. Ansonsten heißt es: Weiter forschen.
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