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Autor Thema: Trichterbrust-OP nach Nuss mod. Rokitansky in Wien  (Gelesen 151 mal)

joey97

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Trichterbrust-OP nach Nuss mod. Rokitansky in Wien
« am: 28. Oktober 2018, 18:12:10 »

Hallo Freunde,

Hiermit möchte auch ich meine Erfahrung teilen:

20 Jahre, Männlich, 54Kg, Trichterbrust asymmetrisch ~ 3cm, Ektomorph;

Vorgeschichte:
Bis zu meinem zwölften Lebensjahr habe ich meine Trichterbrust nie bemerkt. Das erste Mal, damals war ich mit der Schule auf Skikurs und an dem Tag sind wir schwimmen gegangen, haben mich eine Gruppe von Kindern darauf aufmerksam gemacht, als ich in der Schlange zur Rutsche gewartet habe. Sie tuschelten über mich und schauten direkt auf die Trichterbrust und ich habe sie daraufhin unfreundlich laut gefragt, „was ist los?“. Dann war Ruhe, die Selbstsicherheit habe ich später nicht mehr gehabt. Die letzten Stunden habe ich damit verbracht, so lang wie möglich Unterwasser zu bleiben. Das war ein prägendes Ereignis und somit wollte ich schon nicht mehr in Schwimmbäder. Später mit 14 hat mein Bruder die Trichterbrust angeschaut und „grindig“ gesagt, vom eigenen Bruder das zu hören ist auch ungut, weil wenn es deine Verwandtschaft verabscheut, wie siehts mit den Mädels aus. In der Schule wurde ich zum Glück nie gemobbt deswegen, habe mich, aber nie getraut mal ein Mädchen auszufragen. Also die Trichterbrust hat mich immer schon gestört. Mein Herz tat dann öfters weh. Das mit dem Herz kam mit 19, also Sport ging wegen Atemnot und Herzrasen nicht mehr ganz gut, ich ging sporadisch laufen und habe bis zum Termin im April 2018 die Symptome ignoriert. Im Oktober 2017 habe ich dann geschaut ob es nicht doch was gibt. Saugglocke war für mein Alter nichts, da die Knochenkerne schon verwachsen sind. Wie ich die OP nach Nuss entdeckt habe, habe ich erstmals gedacht, „das ist schon Extrem“, tja ein Jahr später hab Ichs gemacht und bin dafür extremst zufrieden. :)

Vorbereitung:
Habe dann alles selbst in die Hand genommen und den Rokitansky gefunden. Also, März 2018 Email geschrieben an Prof. Rokitansky und dann telefonisch Termin ausgemacht. Im Mai 2018 habe ich die Untersuchung im Donauspital gemacht, MRI, LUFU, Ergometrie mit Trainigsherzfrequenz (da habe ich mich echt schlecht gefühlt und konnte die Zielfrequenz nicht erreichen und Luft habe ich auch schlecht bekommen) und Herz-Sonographie. Die Herz-Sono war lustig, weil die Ärztin in Ausbildung keine gescheiten Blickwinkel vom Herz erwischen konnte und der Ober-Arzt das locker gemacht hat und erläutert hat, dass das Herz bei einer Trichterbrust nicht gut zu untersuchen ist (Wir sind halt etwas Besonderes :). Der Kardiologe hat sofort gemeint, dass es schlau ist die OP zu machen. Druck auf rechten Ventrikel (OP-Indikation). Im Juni Gespräch mit Prof. Rokitansky, entweder so lassen wie es ist und später nur noch spazieren gehen, oder beheben lassen und wieder Sport machen können. Da habe ich gar nicht gezögert und eingewilligt. Termin für September ausgemacht. Zwei Stangen und eine partielle Sternum Osteotomie (Schnitt ins Brustbein, altersbedingt).

Krankenhaus Aufenthalt:
Erstmal OP am 2.9.2018 verschoben, CRP zu hoch, ein Monat warten auf neuen Termin, sicher ist sicher. Also OP am 10.10.2018, im KH um 12Uhr am 9.10 in ein Einzelzimmer. Da es die Kinderchirurgie ist, sind alle sehr freundlich hab auch immer ein bisschen Schmäh geführt mit den Schwestern. Mein Blutdruck war hoch, aber Blutwerte alle super. Anästhesistin vorbeigeschaut, OP erklärt, Revers unterschrieben. Nochmal mit dem Prof. geredet, hat sich die Trichterbrust nochmal angeschaut und hab Gummibärchen bekommen. :) Die Nacht nicht gut geschlafen wegen dem Blutdruck und mein Körper war nervös, ich war ruhig eigentlich, hab das versprochene Beruhigungsmittel von der Anästhesistin nicht bekommen. 6:00 Uhr geduscht und doch jetzt ein bisschen aufgeregt, um 7:45 abgeholt und dann gewartet auf den OP-Saal. Beruhigungsmittel funktioniert, ich schau noch auf den Bildschirm wie mein Herzschlag langsamer wird und der Blutdruck sinkt, endlich. Noch mit den Schwestern geredet, erklären einem alles und die Anästhesistin ebenfalls, dann wird man gefesselt, haha :D. Aja, ich wiege 54 Kilo und möchte zunehmen, aber ich schwöre jede Frau sagt, dass das deren Wunschgewicht ist. Maske auf, leichtes Brennen im Gesicht, man ist weg und dann wieder munter. Auf der Aufwachstation, ich bin aufgewacht wie mein Vater gekommen ist, haben ein bisschen geredet, anscheinend habe ich die ganze Zeit geredet und die Schwestern waren schon leicht genervt. Der Doc hat auch nochmal vorbeigeschaut und ich habe keine Schmerzen gehabt, die Morphium Pumpe hat geholfen, keine Schmerzen wie auf einer Wolke. Man bekommt zum trinken nur so einen Spray, es war hell und doch laut, aber ich fand es nicht schlimm. Bin aber oft aufgewacht, stündlich. 14:00 OP fertig, dann Aufwachraum eben und am nächsten Tag um 7:00 auf Station gebracht.
11.10.2018
5000 Ärzte schauen vorbei, so fühlt es sich an und du checkst nichts was sie sagen aber ok. Die Drainagen habe ich erst da bemerkt, drei insgesamt. Bei der Ärztin vom Physikalischen Institut habe ich nur ja gesagt oder so, weiß nicht mehr viel davon. Den Tag nur liegen geblieben und Besuch von Bruder und Vater. Gegessen habe ich wenig, aber ich hab’s versucht, die Bewegungen waren sehr eingeschränkt. Die ersten Tage bekommt man prophylaktisch Antibiotika, was ich als sehr positiv empfinde, für den Darm natürlich weniger xD.
12.10.2018
Visite kommt ungefähr um 7:30. Ich habe nicht so gut geschlafen. Blasenkatheter wurde entfernt, war nicht schlimm, aber du kriegst das Gefühl du musst pinkeln, aber die Schwester warnt dich davor. Kurz aufgestanden mit den Physiotherapeuten, 30 schreckliche Sekunden, der Kreislauf spielt nicht wirklich mit. Körperpflege im Bett und wieder Besuch.
13.10.2018
Schmerzen gingen bis jetzt immer sehr gut, hab die Pumpe dann nur einmal in der Früh noch gedrückt, wurde an dem Tag noch entfernt, mir war doch recht schlecht. Mit der Schwester ins Bad gegangen und über dem Waschbecken gewaschen mit Hilfe, das Gehen war schlimm und die blöden Schläuche. War froh als ich wieder im Bett war. Wieder Besuch, beim Onkel musste ich mich übergeben, hab das Paracetamol nicht vertragen, hat zum Glück nicht weh getan. Dann habe ich angefangen fernzusehen um mich von dem Horror zu erholen.
14.10.2018
Gehen ging schon besser, aber war noch wackelig unterwegs mit der Schwester. Wieder gewaschen und den ganzen Tag geschont. An dem Tag habe ich ein grindiges Abführmittel bekommen, die Rechnung dafür bekam ich Morgen wenn ihr versteht was ich meine :D
15.10-18.10.2018
Am Montag seitliche Drainagen entfernt, bisschen mehr Freiheit erlangt, alleine langsam aufs Klo gehen, in der Nacht mit den Schwestern, „better safe than sorry“. Der Doc hat wieder vorbeigeschaut. Dienstag Ultraschall, mit der Radiologin habe ich mich gut unterhalten und nachgefragt, und Röntgen gemacht, keine Infusionen mehr, sondern Tabletten. Mittwoch große Drainage entfernt bekommen, war somit dann gut unterwegs und konnte mich alleine duschen. Hämatome haben sich gebildet an den Seiten, ist aber nicht schlimm nur oberflächlich, tat ein bisschen weh. Donnerstag Röntgen und Ultraschall, nochmal Ultraschall wegen den Hämatomen.
19.10.2018
Endlich Entlassung, ich war schon längst fit wie ich finde und wie die Ärztin im Patientenbrief beschrieben hat auch, der letzte Tag war unnötig, aber ich fand es nicht weiter schlimm, weil sie halt vorsichtig sind. Sie haben mich erst mit meinem Vater gehen lassen, was gut war, weil ich sehr viel Zeug bekommen hab und man nicht viel tragen darf.
Heute 28.10.18
Ich fühle mich sehr wohl, seitlich habe ich noch paar schmerzen sowie beim atmen ganz wenig, also alles sehr erträglich und komme somit ohne Schmerzmedikamenten klar. Ich habe aber bis gestern noch Seractil 300mg genommen und die Dosis immer weiter reduziert, weil ich sonst nicht schlafen konnte (Der Rücken). Wenn ich nicht so voll Gas schnell gegangen bin nach der Entlassung könnte es mir schon besser gehen, also Schritt für Schritt gehen und zwar langsam ist empfehlenswert. Auf dem Sofa bin ich blöd aufgestanden und das tat weh, ging aber schnell weg der Schmerz. Die Bügel bleiben jetzt erstmal für vier Jahre und ich freue mich schon sehr wieder mit dem Laufen anzufangen.

Prof. Rokitansky ist ein sehr empathischer Mensch und er versteht auch den psychischen Leidensdruck von der Trichterbrust, bei ihm hatte ich endlich das Gefühl, dass mich jemand versteht, also ein Arzt. Er hat die Methode von Nuss verbessert und operiert nach seinem Verfahren und die Bügel kommen aus Österreich von der Familie Hofer. Auf kidsdoc.at könnt ihr auch rund um die Trichterbrust mehr erfahren und schauen wie die OP abläuft falls ihr sowas verträgt, mir hat das geholfen und ich interessiere mich auch sehr dafür. Die Schmerzen sind aber nicht zu unterschätzen, meldet euch immer rechtzeitig bevor es unerträglich wird, ich halte generell viel aus. Schmerzskala von 1-10, eine fette 9 und ich habe nicht viel davon mitbekommen! Auch wenn das Essen grausig ist, unbedingt essen, euer Körper braucht die Energie!

Ich habe mir einige Erfahrungsberichte durchgelesen auch und finde manches sehr traurig. Sucht euch auf jeden Fall einen Arzt dem ihr vertraut und vor allem der Übung darin hat (Es gibt leider nicht so viele), ich würde sagen kommt einfach nach Wien, aber das geht leider nicht so leicht für die deutschen Kollegen. Falls ihr euch nicht operieren lassen wollt und ihr könnt gut damit leben ist das auch super und finde das zeugt von wahrer Stärke und ihr seid tolle Menschen, das kann euch keiner nehmen. Also OP überstehen oder Trichterbrust lassen ist beides ein Kraftakt :D
Ich werde dann noch Bilder zeigen von vorher und nachher, wenn alle Pflaster weg sind. Und wenn ihr fragen habt dann schreibt ein Kommentar darunter oder Privatnachricht.

Das ist ein bisschen untergegangen, die Schwestern waren immer super freundlich und man fühlt sich echt gut aufgehoben.

Kosten: Chefarzthonorar, was sehr angemessen war, hab die Kosten ohne Krankenkassa gesehen 0_0
LG aus Wien, Joseph

PS: Sorry für die Grammatik und den Tempus Wechsel, Deutsch war nie meine Stärke und zum Verbessern bin ich jetzt zu faul.
« Letzte Änderung: 29. Oktober 2018, 08:36:43 von joey97 »
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Celinem

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Re: Trichterbrust-OP nach Nuss mod. Rokitansky in Wien
« Antwort #1 am: 15. November 2018, 10:32:00 »

Vielen Dank für diesen Beitrag. Würde mich noch interessieren ob Sie ohne Ärztliches Gutachten oder Psychiatrisches Attest Dr. Rokitanksky angeschrieben haben. Ich leide auch schon lange dan meiner Trichterbrust und würde mich gerne operieren lassen, allerdings meinte meine Lungenörztin vor 5 jahren das mein Herz oder Lunge dadurch nicht beeinträchtigt sei. Jetzt befürchte ich das es die Krankenkasse nicht übernehmen wird.  :-\
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joey97

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Re: Trichterbrust-OP nach Nuss mod. Rokitansky in Wien
« Antwort #2 am: 18. November 2018, 12:50:51 »

Hallo Celinem! Ich vermute mal, dass Sie Österreicher sind. Also, ich habe Dr. Rokitansky ohne Attest oder psychiatrisches Gutachten geschrieben, hab ihm einfach mal die Symptome geschildert und dann muss man sich telefonisch einen Termin ausmachen, kann man gleich einfach anrufen, er ist privat-Arzt übrigens, Überweisung zum Facharzt da Privat braucht man nicht, hab mir eine zur Sicherheit eine mitgenommen und wurde nicht verlangt. Ich hab vor dem Gespräch auch nicht gedacht dass es gezahlt wird und erst durch die Untersuchungen ist eine Indikation gefunden worden, ich würde es versuchen. Was hat ihre Lungenärztin untersucht, hat sie einfach nur abgehört oder Röntgen, MRT, LUFO, irgendwas in der Art angeordnet, weil manche Ärzte sagen einfach da ist nichts. Haben Sie selber irgendwelche physischen Beschwerden, Atemnot, Herzrasen und wie tief ist die Trichterbrust? Wie alt sind Sie darf ich fragen, weil unter Umständen wenn sie über 40 sind, würden Sie auf die Orthopädie nach der OP kommen.  Ich bin übernächste Woche zur Kontrolle beim Dr. Rokitansky und frage wie das mit der Psyche funktioniert hätte ob die Kassa das gezahlt hätte und unter welchen Umständen.
LG Joey
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