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Autor Thema: TB-OP nach Nuss bei Dr. Lützenberg in Magdeburg, weiblich, 20 Jahre  (Gelesen 432 mal)

GreenTea

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Vorgeschichte

Hallo, ich wurde 2015 nach Nuss am Uniklinikum in Magdeburg von Dr. Lützenberg operiert. Mein Haller-Index war ca. 8 und meine Brust asymmetrisch. Sie entwickelte sich in meiner Kindheit/Pubertät.

Es fing damit an, dass ich mich nicht mehr traute schwimmen zu gehen oder Tops mit Ausschnitten zu tragen, weil ich in meiner Kindheit wegen der Trichterbrust gehänselt, komisch angesehen und angesprochen wurde. Neben dem psychischen Leiden hatte ich Probleme beim Schlucken; oft blieb das Essen in meiner Speiseröhre stecken oder es tat beim Runterschlucken weh. Mein Herz und Leber wurde durch die Deformität eingedrückt, oft hatte ich Herzpalpitationen die einmal sogar für zwei Tage ununterbrochen anhielten. Mein Körper entwickelte durch die TB eine Fehlhaltung - meine Wirbelsäule war gekrümmt und sah bucklig aus. Ich habe auch eine leichte Skoliose, aber ich weiß nicht ob das was mit der TB zutun hat.
Meine Lungenvitalkapazität war bei 60%, ich hatte verstärkt in Ruhephasen Probleme damit Luft zu holen und fühlte mich wie als würde ich ersticken. Sportlich konnte ich mit gleichaltrigen nicht mithalten, weil ich schnell aus der Puste kam.

Mit 20 fiel mir auf, dass die Trichterbrust immer tiefer wurde, obwohl ich kein Teenager mehr war. An dem Punkt gab es für mich keine andere Option mehr außer eine OP.


Erste OP


Das alles brachte mich dazu, die Trichterbrust nach Nuss korrigieren zu lassen. Ich fuhr nach Magdeburg um ein Beratungsgespräch mit Dr. Lützenberg zu führen. Er hatte 2015 bereits über 500 Trichterbrust-OPs durchgeführt (mittlerweile sicherlich noch viel mehr) und ich fühlte mich bei ihm sofort verstanden.
Er fand zwei kurze Bügel für mich passend, wobei der kleinere untere Bügel einen Stabilisator bekommen sollte. Auch teilte er mir einen Tag vor der OP mit, dass zwei Rippen direkt an meinem Brustbein wahrscheinlich angeschnitten/durchgeschnitten werden mussten, weil mein Brustkorb etwas zu unbeweglich war.

Zuerst war ich sehr besorgt, weil Dr. Lützenberg keinen Epidural/Morphium empfiehlt, was Gang und Gäbe in Amerika für diese Art von OP zu sein scheint. Er begründete es damit, dass Patienten ohne starke Schmerzmittel viel schneller wieder mobil werden und somit schneller heilen können (dem würde ich jetzt im Nachhinein zustimmen).
Für mich gab es also nur PCA (Patientengesteuerte Analgesie). Durch Knopfdruck bekam ich nach der OP so meine Schmerzmittel, die ehrlich gesagt nicht allzu viel brachten. Gerade noch so viel, dass ich etwas Schlaf bekam. Am 5. Tag im Krankenhaus nahm ich nurnoch Ibuprofen und meine Schmerzen waren vielleicht eine 4 von 10.



Mein erster Tag/Nacht auf der Intensivstation war alles andere als angenehm, ich fing an leichte Halluzinationen noch von der Vollnarkose zu bekommen. Ich hatte kein Gefühl für Zeit mehr und die Schmerzen wurden trotz PCA immer stärker (ich beschrieb es als eine 8. Es fühlte sich wie zwei heiße Metallbügel an, die meinen Brustkorb zusammendrückten). Zum Glück musste ich mich nicht übergeben. Ich musste viel weinen, was wahrscheinlich auch nur an den Medikamenten lag und ich fühlte mich etwas gefangen/verloren. Ich konnte mich nicht bewegen, selbst meinen Kopf zu heben tat weh. Trotzdem waren das Personal dort sehr nett und kompetent. Sie haben mich etwas gewaschen, mir die Zähne geputzt, mir beim Trinken geholfen und waren auf Knopfdruck die gesamte Zeit erreichbar wenn die Schmerzen zu stark wurden.

Als ich dann zurück auf die reguläre Station kam, fühlte ich mich etwas besser. Es kam eine Physiotherapeutin vorbei um mit ihr etwas herumzulaufen, mir war sehr schwindelig aber mit der Zeit wurde das besser. Ich bekam einen Spirometer, welches das Lungenvolumen misst und gleichzeitig dafür da ist, die Lungen wieder aufzubauen. Ich bekam auch so ein grünes Ding, welches beim Reinpusten vibriert. Ich weiß leider nicht mehr genau wozu das gut war. Am zweiten Tag (wenn ich mich richtig erinnere) wurde auch der Blasenkatheter gezogen, was kaum wehtat.

Ich war überrascht davon, wie sehr wir auf unsere Brustkorbmuskeln angewiesen sind. Jede einzelne Bewegung tat meinem Brustkorb und Rücken weh. Lachen, Husten und Niesen fühlten sich schrecklich an. Ich hatte mehrere Schläuche in meinem Brustkorb, die die angesammelten Flüssigkeiten abliefen ließen. Wirklich weh taten sie nicht, es war nur etwas umständlich mit ihnen herumzulaufen. Nach einigen Tagen wurden sie von Dr. Lützenberg gezogen, was etwas wehtat, aber auszuhalten war.

Nach einer Woche wurde ich entlassen. Die 5-stündige Heimfahrt war etwas unbequem, aber mit einem Kissen an meinem Rücken hielt ich es aus.
Zu Hause fiel es mir sehr schwer aus meinem Bett zu kommen (alleine ging es zuerst gar nicht), selbst mit angewinkelter Matratze. Deswegen bestellte ich für ca. 100 Euro eine Aufstiegshilfe (von Amazon) wie die, die auch an Krankenhausbetten befestigt sind. Mit ihr tat das Aufstehen nicht mehr ganz so weh und ich konnte es selbstständig tun, ohne jede Stunde meine Eltern rufen zu müssen.



Das Foto habe ich direkt nach meiner OP gemacht. Ich bin/war mit dem Ergebnis 100% zufrieden. Ich hatte endlich eine "normale" Brust und musste mich für sie nicht mehr schämen.
Meine Atemprobleme hielten für die gesamte Zeit in der ich die Stangen hatte (3 Jahre ) an und wurden sogar schlimmer. Auch hatte ich noch immer hin und wieder Herzpalpitationen.
Ein Jahr nachdem die Stangen entfernt wurden, haben sich diese Symptome verbessert. Es ist wichtig aktiv zu bleiben, selbst wenn man nur täglich spazieren geht. Auch ist es wichtig, täglich Atemübungen zu machen und am besten einen orthopädischen Geradehalter zu tragen.

2. & 3. OP

Einige Monate nachdem ich die zwei Bügel bekommen hatte, machte mir der Stabilisator starke Schmerzen. Die Schmerzen wurden so stark, dass meine Körperhaltung anfing zu verkrampfen und eine Schulter höher war als die andere. Ich bekam die Schmerzen nurnoch durch ein Opioid unter Kontrolle, was nicht ideal ist.
Durch die ständige Reibung des Stabilisators sammelte sich viel Flüssigkeit in meinem Brustkorb an (Pleuraerguss) und ich musste zurück nach Magdeburg. Dort führte Dr. Lützenberg eine Pleurapunktion durch um die Flüssigkeit aus meinem Brustkorb zu entfernen. Das gesamte Unterfangen war fast schmerzlos.

Danach entschied sich Dr. Lützenberg dazu, dass der Stabilisator entfernt werden könnte, weil sich bereits genug Narbengewebe um meine Bügel gelegt haben sollte. Also wurde es Zeit für eine weitere kleine OP bei dem der Stabilisator entfernt wurde. Als er weg war, konnte ich endlich richtig heilen. (Im Nachhinein würde ich sagen, dass mir der Stabilisator die größten Schmerzen bereitet hatte und nicht die Bügel).

4. OP

Nach drei Jahren wurde es Zeit die beiden Bügel zu entfernen. Die OP verlief ohne Komplikationen und war nichts im Vergleich zur ersten OP. Ich hatte kaum Schmerzen (vielleicht 2 von 10 direkt nach der OP) und brauchte keine Schmerzmittel außer Ibuprofen um Entzündungen zu hemmen. Ich bekam viel IV-Antibiotika und blieb sicherheitshalber einige Tage noch im Krankenhaus, obwohl es mir sehr gut ging.



Hier sind die zwei Bügel die ich dann auch nach Hause mitnehmen konnte.
Ich würde die OP zu 100% wieder machen und kann Dr. Lützenberg mit gutem Gewissen empfehlen. Er besucht einen mehrmals täglich und hat sehr viel Erfahrung in diesem Feld.
Meine Brust ist nach der Entnahme wieder minimal eingesunken, aber das war zu erwarten und ist normal.

Wenn jemand fragen hat, kann er sie mir gerne stellen.  :)
« Letzte Änderung: 16. Juli 2019, 09:51:27 von GreenTea »
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jessidiesdas13

  • Newbie
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  • Beiträge: 15
  • TB OP am 16.07.2019

Hey, ich hatte am Dienstag die OP weil es bei mir genau so aussah wie bei dir. Ich habe zwar hin und wieder (verständlicherweise) noch Schmerzen, aber es ist schön zu lesen & zu sehen dass alles besser geworden ist und es ja bei mir auch schon sooo viel besser aussieht😍
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annaj

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  • Beiträge: 1035

Sehr schönes Ergebnis, gut dass du als Frau Fotos teilst, leider gibt es nicht so viele davon. Ich kann dir wärmstens Stretching/Dehnübungen wo vor allem den Brustkorb mit einbezogen ist, um auch innere Narbengewebe zu lockern. Ich habe einige Zeit weniger davon gemacht, und spüre wie sehr ich es brauche.  :)
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Weiblich.
1989-2011/01 Silikonimplantat. (16 J)
2011/03 Nuss-OP (modifiziert), dr. Lützenberg, Berlin Charité. (fast 39 J)
2013/08 Stabentfernung, dr. Lützenberg, Uniklinik Magdeburg. Zusätzlich würde grossflächig Muskeln versetzt (versuch Brustrekonstruktion, Knorpel wurde abgeschliffen usw)
2014/04 Brustrekonstruktion, Silikon in beide Brüste. Kleine Korrektur 2014/09 bei dr. Lützenberg.