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TB-OP in Ostercappeln, Dr. Lützenberg, 45 jahre, weiblich, Rezidiv

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Kiki25:
Hallo Lotti, schade das es dir aktuell nicht so gut geht. Ich fürchte an das Bügelgefühl muss man sich gewöhnen, ich hatte im Krankenhaus auch starke Probleme damit und hab mich ziemlich hilflos gefühlt, wollte das Ding dann auch nur noch raus haben und hatte einen dezenten Panikanfall weil ich wusste das ich einfach nichts dagegen tun kann. Ich bin seit Donnerstag wieder daheim und zu meiner Überraschung geht es mir echt gut, aktuell benötige ich gar nicht alle Tabletten da sich die Schmerzen in Grenzen halten und schlafen kann ich auch echt gut. Vieles was dem Alltag nahe kommt kann ich natürlich auch nicht machen und bin froh das mir mein Freund hilft. Allerdings spüre ich meine komplette Brust aktuell gar nicht deshalb befürchte ich das ich den 2. Bügel erst noch zu spüren bekomme sobald das Gefühl zurück ist. Auch habe ich mit einer stärkeren Schwellung am Rippenbogen etwas zu kämpfen, aber ich denke das legt sich in der Zeit. Ich drücke die Daumen das du den Bügel bald „akzeptieren“ kannst und die Erleichterung bekommst die du dir durch die OP erhofft hast. Liebe Grüße

Lotti74:
3 Monate nach OP

Ich möchte gern mal wieder ein kleines Update geben, inzwischen sind gute 3 Monate seit OP vergangen. Leider habe ich noch mit Schmerzen und Druckgefühl zu tun. Zum Glück sind die schweren psychischen Momente mit dem Absetzen des Morphium verschwunden, das war ein Hinweis von Dr. Lützenberg, dass es damit zusammenhängen könnte. Da normale Schmerzmittel aber keinen spürbaren Effekt bringen, nehme ich seit etwa 3 Wochen Amitryptilin, ein Antidepressivum was gegen Schmerzen eingesetzt werden kann. Anfangs habe ich keine Besserung bemerkt, seit ein paar Tagen ist die Dosis erhöht, jetzt habe ich tatsächlich das Gefühl dass die Schmerzen aushaltbarer sind. Auch dieses Medikament sorgt für Nebenwirkungen wie Schwindel, niedriger Blutdruck und Mundtrockenheit – aber es sorgt auch dafür dass ich Nachts durchschlafen kann und die Schmerzen erträglicher sind. Einreibungen mit einem Schmerzöl musste ich beenden, da ich auf dieses irgendwann allergisch reagierte, so dass Kühlen und Antidepressivum derzeit meine einzigen Hilfsmittel sind. Wenn alle Stricke reißen wird wohl der obere der beiden Bügel Ende des Jahres vorzeitig entnommen, da die Schmerzen scheinbar überwiegend von diesem ausgehen. Die Enden des Oberen reichen fast in die Achseln, aber auch am Brustbein passt die Höhe der Schmerzlokalisation zu diesem Bügel. Noch hoffe ich auf baldige Besserung. Ich muss zugeben dass ich mir die OP leichter vorgestellt bzw. die Probleme unterschätzt habe. Jedoch ist ein Ergebnis sehr beeindruckend: Treppen steigen ist kein Problem mehr! Zumindest insofern, dass ich nicht alle paar Stufen anhalten und nach Luft ringen muss, fit bin ich noch nicht, aber 2 Etagen gehen Problemlos und auch Hügel, die ich seit Jahren gemieden habe, sind jetzt keine Hürde mehr. Ich werde zum Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres nun auch den Lungenfacharzt mal wieder aufsuchen und bin gespannt, ob sich auch messbar etwas verändert hat – aber mir hat die OP Lebensjahre geschenkt, gefühlt. Vor der OP fühlte ich mich wie 60 Jahre alt, jetzt fühle ich mich wie 35 Jahre (eine 35 jährige mit Schmerzen, aber das sind Details) ;-)

peca:
Hallo Lotti,

wie geht es dir mittlerweile und wie ist dein Kampf mit der Krankenkasse ausgegangen ? Wie bist du nach abgelehntem Widerspruch vorgegangen und hat die Kasse inzwischen die Kosten übernommen ?

Liebe Grüße
peca

Lotti74:
Gut 1 Jahr nach der OP

Seit etwas über einem Jahr ist die große OP vorüber. Im Oktober wurde mir der Stabilisator des unteren Bügels entfernt, ab da wurde alles etwas leichter. Schmerzfrei bin ich leider noch immer nicht. Wenn ich mal wieder in Selbstmitleid versinken möchte erinnere mich an die Anfangszeit nach der OP, meine Hilflosigkeit und die Schmerzen damals. Im Vergleich dazu geht es mir nahezu super! Auf der linken Seite schlafen klappt endlich wieder. Rechts ist weiterhin, warum auch immer, "irgendwie falsch". Gegen die noch bestehenden Schmerzen nehme ich derzeit wieder/noch Amitryptilin, allerdings bekomme ich nach einiger Zeit davon Herzrasen, so dass ich quasi in Intervallen gegen die Schmerzen etwas tun muss. Die Schmerzen sind aushaltbar- manchmal brauche ich eine Paracetamol, aber insgesamt geht es. Ich hatte mir allerdings nicht vorgestellt, mich so lange mit den Bügeln quälen zu müssen- manchmal bekomme ich vom Druck einen innerlichen Rappel, sowas wie eine Panikattacke und ich muss schnell gegensteuern. Mich beschäftigen lautet die Devise, idealerweise "schrecklich körperlich aktiv" werden, Bewegung nimmt dieses Gefühl der Beklemmtheit. Ich habe kürzlich mich endlich wieder aufs Fahrrad getraut. Schwimmen habe ich noch Angst, sobald das Wasser an den Brustkorb drückt habe ich den Eindruck, beklemmt zu sein. Aber auch das wird hoffentlich vergehen... Ursprünglich wollte ich gern 5 Jahre die Bügel liegen lassen, aktuell hoffe ich aber wenigstens die 3 Jahre zu schaffen, die Herr Dr. Lützenberg mir empfahl. Gerade weil ich mich immernoch mit Nachwirkungen quäle möchte ich die Bügel nach Möglichkeit nicht zu früh entfernen lassen, nicht dass der Brustkorb wieder einfällt. Damit käme ich wohl nicht gut klar ...
Optisch habe ich mich endlich an mich gewöhnt. Es ist schwer zu beschreiben, aber relativ lange hatte ich Mühe, mich im Spiegel anzusehen, oder z.B. einzucremen. Ganz komisch, das war mir unheimlich, fremd und unangenehm. Jetzt finde ich das Dekoltee echt gut, Badeanzüge passen, auch Shirts mit Ausschnitt sind jetzt möglich. Die gravierendsten Veränderungen sind jedoch gesundheitlich: Ich hatte seit der OP glaube ich nur 1x Migräne und sehr selten Kopfschmerzen. Treppen sind jetzt eher ein Kraft- als Luftproblem. Die Herzrappler habe ich weiterhin- jedoch spüre ich sie jetzt wie beiläufig, sie machen mir keine Angst mehr, nehmen mir nicht mehr die Luft. Was die Luft angeht finde ich erstaunlich, wie beweglich mein Brustkorb geworden ist! Die Bügel halten mich von sehr tiefem Atmen ab, aber dieses Ausdehnen beim Luftholen ist so dermaßen schön, erleichternd und hilfreich, dass ich endlich nicht mehr das Gefühl habe nicht atmen zu können. Tatsächlich, seit der OP haben sich auch meine Depressionen gebessert, mein Gang ist aufrecht, ich habe ein Leben durch die OP bekommen, wie andere es selbstverständlich haben. So bereue ich die OP nicht, stelle sie nicht in Frage- aber bin demütig, was ich mir zugemutet habe wenn mein Körper noch immer mit Schmerzen hadert. Eventuell versuche ich eine ambulante Reha zu bekommen, im Moment, 4.Welle und so, bin ich einfach dankbar für die Luft, die ich bekomme.

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