Autor Thema: Nuss-Op halb so wild - Olgahospital/Stuttgart Prof. Dr. Steffan Loff  (Gelesen 151 mal)

Alexanderry

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Hallihallo Community,

ich weiß überhaupt nicht wie ich anfangen soll, deswegen ersteinmal zu mir:
Ich heiße Alexander, bin M/16, 1,92M groß und wiege circa 70kg, komme aus BaWü, nahe Stuttgart :D

Meine TB:
-Symmetrisch
-HI von "nur" 3,1, allerdings laut Lufu eingeschränktes Lungenvolumen (oft Luftschnappen), schnell hoher Puls, sowie manchmal stechende Schmerzen beim auf die Seite legen.

Vorgeschichte:
Wie dieses Forum vermuten lässt, hatte/habe ich eine Trichterbrust. Lange (bis circa 13 Jahre) hat mich diese überhaupt nicht gestört, geschweige denn ich nahm sie wirklich bewusst wahr. Als ich allerdings ins Handball ging und in der Umkleide wegen "dem Loch in der Brust" verspottet wurde, war es rum mit der "heilen" Zeit  ::) Ich begann mich zu informieren und mir Gedanken zu machen, warum meine Brust anders als die der anderen aussah, was dazuführte, dass ich in der Öffentlichkeit meine Brust nur noch sehr sehr selten gezeigt habe. Der Schwimmunterricht in der 6. Klasse war eine Herausforderung und ich versuchte meine Brust mit verschränkten Armen so gut wie es ging zu verdecken etc. Tatsächlich wusste ich schon damals, dass ich höchstwarscheinlich die TB operativ behandeln will und ich schmiedete Pläne, wie ich meine Eltern VOR dem nächsten mal Schwimmunterricht in der 11.Klasse von der Op überzeugen kann. Also zogen die Jahre dahin und ich dachte immer nach dem Motto "Noch 2 Jahre bis zur 11.Klasse, also noch 1 Jahr zum überzeugen". Letztes Jahr begann ich in der Freizeit Krafttraining zu machen und erzielte auch ganz gute Erfolge, nur jedesmal wenn ich Stolz aus der Dusche kam und der Blick auf meine Brust viel, war das Hochgefühl dahin. Die aufgebaute Brustmuskulatur kaschierte die TB nicht wie erwartet (eig ein Hauptgrund, warum ich trainiert habe), sondern verstärkte sie rein optisch. Eines Tages allerdings machte mein Vater glücklicherweise den ersten Schritt  ;D und sprach mich auf meine TB an und fragte, ob ich etwas daran ändern möchte. Dies wurde natürlich sofort bejaht und ein Termin bei Prof. Dr. Steffan Loff im Olgahospital Stuttgart gemacht. Dort angekommen nach 1 Monat Wartezeit wurde ich ersteinmal ins Kreuzverhör genommen nach dem Motto "Fühlst du dich missgebildet; Wie ist deine Ausdauer im Vergleich zur gleichaltrigen".. Das Ergebnis der Besprechung war, dass  Herr Loff meinte, dass er im Gegensatz zu anderen Kollegen nicht direkt zu einer Op raten würde. Nun, mit dieser Expertise ging es erstmal nach Hause.

Op-Entscheidung
Mir war klar, dass ich etwas an der TB ändern möchte, musste mich nun allerdings zwischen Saugglocke und Op entscheiden (Nur Krankengymnastik kam für mich nie in Frage). Die Gründe für die Entscheidung gegen die Saugglocke waren eig: Lange Behandlungsdauer; Ungewisses Ende; Auch Schmerzen am Anfang; Hautschäden (Gereizte Haut; Wassereinlagerungen) temporär). Also sagte ich mir, nun, dann nehme ich eben die schnelle aber schmerzvolle Variante, muss mir aber nicht für 2-3 Jahre JEDEN Tag eine Saugglocke auf die Brust kleben.
Was die Entscheidung für die Op anging, war ich mir dennoch unsicher, da ich zwar auch körperlich unter der TB litt , allerdings der Hauptgrund optisch war. Die Entscheidung fiel dann nach langen Gesprächen mit meinen Eltern, dass ich den Eingriff machen möchte. Anschließend folgte eine Arzt-Odysee, da allerlei Voruntersuchungen gemacht werden mussten.

Lange Rede kurzer Sinn, die Op war für den 1.9 angesetzt, musste allerdings verschoben werden, da gewisse Blutwerte aufgrund meiner potenziell vorhandenen leichten Blutgerinnungsstörung nich nicht da waren ==> Wurde auf den 15.9 verschoben. Also nach zigmal Blutabnhemen war klar, ich habe eine leichte Gerinnungsstörung und bekomme vor der Op rein präventiv FFP (Fresh-Frozen-Plasma= Also der fehlende Faktor quasi).

Der Arzt
Interessanterweise wusste ich bis knapp vor der Op überhaupt nicht, wer genau Messer an mich legt. Im nachhinein erfuhr ich, dass es Prof. Dr. Steffan Loff war. Er macht auf mich einen sehr seriösen und ruhigen aber direkten Eindruck (sieht aus wie der typische Fernseharzt ;D, 50-60 Jahre alt, weiße Haare, braun gebrannt und weißes Hemd welches oben leicht aufgeknöpft ist). Besonders dadurch, dass er mir nicht direkt zur Op riet, bekam er mein Vertrauen. Der Assistent war Dr.Staubach, ein junger Arzt, mit welchem ich nie direkt sprach, er aber bei der Visite immer entspannt rüberkam. Wieviele Eingriffe Prof. Dr. Steffan Loff durchgeführt hat, kann ich überhaupt nicht sagen, hatte allerdings vorher ein leicht mulmiges Gefühl, da ich in diesem Forum vorher noch nie von ihm gehört hatte und deswegen mit einem nicht sehr erfahreren Arzt rechnete. Generell las ich mich viel in das Forum ein, was direkt vor der Op bei manchen Erfahrungsberichten wohl ein Fehler war  :D

Das Krankenhaus
Ich entschied mich für das Krankenhaus, da ich schon zwei Armbrüche einschließlich Op dort behandelt bekommen habe und stets einen guten Eindruck hatte. Des weiteren war die Klinik sauber, modern, das Pflegepersonal nett und ganz wichtig, eine der wenigen Kliniken in BaWü, welche auf Thoraxdeformitäten spezialisiert ist.

Krankenkasse
Ich habe das Glück, dass ich aufgrund des Jahreseinkommmens von meinem Vater mit Privatversichert bin, weshalb die KK überhaupt keine Probleme machte und die Kosten sofort übernahm. Dazu  kamen natürlich noch Zusatzleistungen wie Einzelzimmer; Anspruch auf Operation durch den Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Steffan Loff etc.

Tag vor der Op
Ich wurde am Dienstag (14.9)  um 9 Uhr stationär aufgenommen und ersteinmal durchgecheckt von einer Ärztin (Fieber, Blutwerte etc). Anschließend ging es mit Koffer und Vater ins Einzelzimmer, wo ich von einer sehr netten Krankenschwester willkommen geheißen wurde. Mein Vater kaufte eine Fernsehkarte für den mobilen Fernseher über dem Bett, worauf ich dann den Nachmittag  bis 15:30 Uhr irgendwelche Dokus über Ochsenfrösche angeschaut habe  ;D Um 15:30 Uhr dann, hatte ich das Gespräch mit der Anästhesistin, welche auf mich iwie keinen vorbereiteten Eindruck machte  :-\ Zuerst empfahl sie mir den Rückenmark Katheter, als MEIN Vater sie dann aber auf meine Blutgerinnungsstörung hinwies, sagte sie erst, dass es damit natürlich ein zu hohes Risiko wäre und ich eine Schmerzmittelpumpe bekam, mit welcher ich auch schon vorher geliebäugelt hatte. Generell hatte ich den Eindruck, als wäre alles ein bisschen chaotisch und hektisch, aber na gut. Gegen 5e kam dann auf einmal ein Überfallkommando ins Zimmer, bestehend aus Prof. Dr. Steffan Loff und dem Herrn Staubach, welche sich meine TB anschauen wollten. Nun konnte ich nochnach einigen Sachen fragen. Irgendwann Abends ging dann mein Vater und ich bekam ein Schlafmittel, mit welchem ich gut und gerne 8h schlief.

Tag der Op
Nach dem aufwachen kam eine Krankenschwester und teilte mir mit, dass der Termin um 11:45 geplant ist, also war warten angesagt und die Op Sachen anziehen. Um 10 Uhr kam nochmal ein Arzt und fragte mich aus, wann ich das letzte mal aß und trank. In meiner grenzenlosen Güte  ;) ließ ich zu, dass mein Einzelzimmer kurzfristig aufgelöst wird, weil die Sation volllief und ich nett gefragt wurde. Um 12 Uhr circa kamen dann erst die Krankenschwestern und fuhren mich mitsamt Bett in den Op-Bereich, wo ich ersteinmal rumstand und mich leicht verloren fühlte (Zum Glück war mein Vater fast die ganze Zeit während des Krankenhausaufenthaltes bei mir). Um 1 Uhr gab mir einer dann das FFP und ich musste warten bis es eingelaufen war. Erst gegen 14 Uhr dann, wurde ich in den Op Saal geschoben, wo alle erstmal lachen mussten, weil ich doppelt so groß wie der Op-Tisch war. Nach der Vergrößerung legte ich mich darauf und schnackte noch etwas mit einem Op-Assistenten über Mopeds, generell war es eine ziemlich heitere Stimmung im Saal. Dann wurde mir eine Maske aufgesetzt und *klick*, weg war ich.
Circa 4h Stunden später wachte ich ziemlich wirr im Kopf auf der Intensivstation auf und fing an laut meiner Mutter irgendein Zeug zu lallen  ::) Ich war von oben bis unten verkabelt, hatte allerdings keine Schmerzen, sondern eher ein leicht unangenehmes Druckgefühl auf der Brust, welches auch von dem Druckverband kam. Gegen 11e als ich benommmen dahin dämmerte, ging es auf einmal richtig los neben mir (war in einem fast leeren Saal), weil ein Notfall reinkam. Weil Ärzte rumschrien etc entschied man sich, dass ich in ein leeres Einzelzimmer geschoben wurde, wo normalerweise Brandopfer behandelt werden. Dort fand ich dann Schlaf.

2.Tag nach Op
Der zweite Tag war relativ unspektakulär. Ich dämmerte vor mich hin und war in wilden Tagträumen unterwegs (immernoch ohne Schmerzen), welche vermutlich von den extrem Starken Schmerzmitteln kamen. Abends hingegen musste ich wieder in den Saal verlegt werden, weil ein Brandopfer reinkam. Da der große Saal allerdings auch voll lief mit lauter hustenden Babys, entschied man mich schon auf die Normalstation zu verlegen, was ich sehr begrüßte.

3. Tag nach Op
Dies war der erste Tag, wo ich das erste mal die Schmerzmittelpumpe benutzte, mir ging es aber insgesamt eigentlich ganz gut. Nach einer durchwachsenen Nacht (Bauchschmerzen, ich aß schon am Donnerstag relativ viel), kam dann am morgen Herr Loff und teilte mir mit, dass alles perfekt verlaufen war  :) Ich brauchte weder eine Drainage noch einen Blasenkatheter, da das Wasserlassen super funktionierte. Die Schmerzen waren eig super aushaltbar (da tat ein heftiges Fußsanstoßen wesentlich mehr weh), ich hatte nur immernoch dieses Druckgefühl. Mittags kam dann die Physiotherapie und setzte sich mit mir auf und schwupp, prompt kam mein Mittagessen wieder raus (Das war vielleicht unangenehm). Mir war super schwindelig und ich legte mich wieder hin. Bekam noch ein Gerät für Atemübungen und die Anweisung von Herr Loff, dass ich einen Rucksackverband tragen soll. Gegen Abend schneite dann eine Krankenschwester ein und verkündete mir die Hiobsbotschaft, dass ich einen Einlauf brauche, weil ich zu lange keinen Stuhlgang hatte. Dort klappte dann das aufsetzen schon wesentlich besser, gut ging es mir dennoch nicht. Die nächste Nacht folgte (ich schlief nie besonders gut, da die ganzen Geräte neben mir IMMER um 12; 3; 6; einen Riesen Radau gemacht haben, wenn die Spritze leer war.

4. Tag nach der Op
Mit Hilfe der Schwestern konnte ich dann schon eine ganze Weile durch die Gänge schleichen und selbstständig aufs Klo gehen, was extrem anstrengend war, sich aber  super angefühlt hat, auch wenn ich nicht wirklich supi Luft bekam und leicht hechelte. Bei der Visite hätte mich Herr Loff beinahe gelyncht  ;), weil ich immernoch keinen Rucksackverband trug, aber den bekam ich erst am Montag von der Station im Krankenhaus. Morgends musste ich mich nochmal übergeben, weshalb ich bis Montag die Medikamente nur intravenös bekam. An diesem Tag kam dann wie jeden folgenden Tag neben der Visite noch der Dr. Dietz zu Besuch, mit welchem ich mich ausgiebig unterhielt und Späße machte. Wirklich ein sympathischer Arzt, auch wenn ich nicht direkt weiß warum er mich besuchte, da er ja medizinisch nichts mit mir zu tun hatte. Appetit hatte ich nicht viel, wurde dennoch zum Essen geprügelt und schaute viel Fernsehen.

5. Tag nach der Op
Der Tag war ziemlich unspektakulär, ich schaute viel Fernsehen, lief rum, aß und trank und genoss, dass ich wenig Schmerzen hatte. Es kam ein junger von der Physiotherapie, welcher wirklich cool war, mit welchem ich dann Atemübungen machte und das Treppenhaus hoch und runter ging ansatzweise.

7.Tag nach der Op
Der Gedanke an die Entlassung stimmte mich froh und auch Herr Loff gab grünes Licht, dass ich heute gehen könnte. Schmerzmittel nahm ich dort schon über Tabletten ein (Ibu/Novalflex glaube ich), die ganzen starken Sachen hatten sie schon abgesetzt und auch die Schmerzmittelpumpe war schon seit Montag abgestöpselt. Also machte ich mich morgens bereit und packte meine Sachen etwas, bis mich mein Vater abholen kam. Es folgte ein Endgesrpäch mit einer Ärztin und wir waren entlassen (gaben noch der Krankenschwester einen fuffi für die Kaffekasse, sie war wirklich super nett und die ganze Zeit für mich da). Alle meinten das ich ein Musterpatient sei, weil ich mich durchkämpfte, schnell auf die Beine kam und stets höflich und nett war  ;)

8 Tag nach der Op (heute)
Home sweet home. Die erste Nacht im eigenen Bett tat gut, auch wenn ich nur mit Hilfe asu dem Bett aufstehen kann und ansonsten wie ein Käfer auf dem Rücken rumliege  ;D Aber das wird besser, ich nehme nur noch Schmerzadaptiv Schmerzmittel, habe ab und zu ein ziehen und Schmerz an der rechten Wunde und bei Bewegungen wie aufstehen Schmerzen am Brustbein, aber ansonsten kann ich mich nicht beklagen. Klar fühle ich mich noch eingeschränkt und kann keine schweren Tätigkeiten ausüben, aber alles in allem geht es mir besser, als manche Erfahrungsberichte hier suggeriert hätten. Wenn ich laufe spüre ich tatsächlich so gut wie nichts mehr von der Op.

Ergebnis
Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Klar, ein leichter Trichter ist noch zu sehen (wobei die Ärztin meinte, dass sich das Ergebnis noch leicht verbessert über die Zeit), aber dass stört mich wirklich nicht mehr. ich habe eh vor sobald es geht wieder trainieren zu gehen (Ziel: Rippenbögen noch leicht mit Bauchmuskulatur kaschieren und durch wachsen der Brustmuskulatur ein stimmiges Bild generieren). ==> Bilder im Anhang. Ich hatte sorgen, ob der Bügel an den Seiten irgendwie abstehen könnte, was aber überhaupt nicht der Fall ist. Er liegt eng an und die Narben verheilen gut (Sprühpflaster und Selbstauflösende Nähte nur zu empfehlen).

Fazit/Nachwort
Ob ich es wieder machen würde? Ja, definitiv. Allerdings möchte ich nocheinmal klarstellen, dass ich trotz dieses positiven Berichtes die Operation keinesfalls verharmlosen möchte. Es ist dennoch ein schwerer Eingriff und nicht jeder ist mit wenig Schmerzen/Komplikationen gesegnet. Dieser Bericht soll nur der Orientierung und nicht der Entscheidungsfindung dienen, es kann auch ganz anders ausgehen!!! Mir wurde oft bei Fragen im Kh eingebläut => Man kann Schmerzfragen nicht pauschalisieren.

Meine Sorgen aufgrund des "unerfahrenen" Arztes haben sich nicht bewarheitet. Ich kann Prof. Dr. Steffan Loff bei Patienten bis 16 Jahre und symmetrischer/mittelstark ausgeprägter TB nur empfehlen. Wie das Ergebnis bei asymmetrischen/starken TB's ist, mag ich nicht zu beurteilen.

Ich melde mich nocheinmal kurz in 1 Monat, 6 Monaten, 1 Jahr, zwei Jahren und nach der Bügelentnahme (vorausgesetzt es treten keine Komplikationen wie eine Verschiebung des Bügels auf, welche Herr Loff aber in meinem Fall als fast "unmöglich" betitelt hat, wobei ich dennoch Angst vor falschen Bewegungen habe).

Grüße