Erfahrungsbericht Trichterbrust OP nach Nuss (Berlin-Buch)

Begonnen von NiklasMeyer, 28. April 2022, 23:04:20

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NiklasMeyer

Hallo.

Ich bin jetzt 18 Jahre alt und zur Zeit der OP war ich 17. Ich bin Schüler der 12. Klasse. Im vergangenen Jahr (2021) habe ich mich für eine Behandlung der Trichterbrust entschieden. Meine Hausärztin hat mich nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Ausprägung der Trichterbrust verschlimmert hat und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind. Mit einer Überweisung bin ich darauf zu meinem Orthopäden, welcher die möglichen Problematiken nochmals bestätigt hat und mich im Folgenden zur Kinderchirurgie im KH Berlin-Buch geschickt hat. Dort angekommen hat mich der sehr freundliche Chefarzt auch sofort beraten und sich die Brust grob angeguckt, sowie eine Skizze angefertigt. Dort habe ich sofort einen Termin zur stationären Aufnahme bekommen (man muss dazu sagen, dass hier auch auf mein Alter Rücksicht genommen wurde, sodass alles kurzfristig noch vor meinem 18. Geburtstag über die Bühne ging).

Am ersten und zweiten Tag wurden Untersuchungen durchgeführt, dazu zählen MRT, EKG, Ultraschall und Leistungstests, sowie Anästhesiegespräch. Bei mir fielen fast alle Tests unauffällig aus, lediglich eine vergleichsweise kleinere rechte Herzhälfte und Ausdauerprobleme/Regenerationsprobleme nach Anstrengung wurden festgestellt. Ansonsten vor dem OP-Tag das übliche: kein Essen und kein Trinken, sowie Einlauf zum Selbstverpassen und Beruhigungsmittel (falls jemand nervös ist/Angst hat). Dann bekommt ihr noch eine Tasche und ein Protokoll, um einige Sachen für die ITS/IMC einzupacken, denn dort werdet ihr die ersten Tage verbringen.

Jetzt einige Hinweise: Rasiert euren Oberkörper schon vor den Krankenhaus, denn der Bereich um die Brust muss frei sein. Des weiteren seid gesund, wenn ihr aufgenommen werdet. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch leichten Schnupfen und Husten. Nach der OP waren dadurch die ersten Tage die Hölle, denn gerade Husten belastet die Brust extrem und schmerzt.

Die OP fand direkt morgens statt und hat ca. 2h gedauert. Man tauscht wie bei anderen OPs auch die normale Kleidung in KH-Kleidung und wird dann per Bett in den OP-Bereich gebracht. Dort angekommen wechselt ihr auf den OP-Tisch und werdet bis vor den OP-Saal gebracht. Dann kommt der Anästhesist und legt einen Zugang, den PDK (Schmerzkatheter im Rücken) und bereitet die Narkose vor. Dann geht es eigentlich ganz schnell und ihr wacht bei Normalverlauf dann irgendwann mit eurer eigentlich schon wie "neuen" Brust auf. Bei der OP wird ebenfalls ein Blasenkatheter gelegt und ihr bekommt Saugdrainagen angebracht, um die Wundflüssigkeit aus dem Leib zu entfernen.

Ein persönlicher Hinweis von mir: Redet dringend mit dem Personal über euer Empfinden, denn das Personal geht erfahrungsgemäß immer davon aus, dass ihr angespannt seid oder ähnliches empfindet. Ich bin in die OP total entspannt und mit Ruhepuls, wenn dass der Fall ist, solltet ihr es auch anmerken, denn so geht alles etwas schneller, weil sich das Personal auch sicherer fühlt.

Auf der ITS angekommen ist man ziemlich unmobil und hat erstmal schmerzen, dagegen hilft zum einen der PDK und zum anderen mehrere Schmerzmittel in verschreibungspflichtiger Dosis. Daneben gibt es erstmal noch die übliche Thrombosespritze und man ist am Monitor geschlossen zur Überwachung. Alleine bewegen ist erstmal schwer, denn man hat den PDK, den Blasenkatheter und die Behälter der Saugdrainagen bei sich. Das Personal kümmert sich daher erstmal um das Wohlbefinden. Am zweiten Tag geht es dann auch sofort mit der Mobilisierung los und man macht erste Übungen im Bett und geht danach etwas auf der Station umher. Wenn die Wundheilung gut läuft und man sich selbst gut fühlt, wird man nach 3-4 Tagen auf die Normalstation verlegt und bekommt Blasenkatheter und Drainagen entfernt.

Auf Normalstation kann man sich dann wieder frei bewegen und die Physiotherapie beginnt. Außerdem kann man endlich wieder schlafen, denn das ständige piepen und leuchten der Geräte auf der ITS ist endlich weg. Neben der Physiotherapie, bei welcher einfache Bewegungsübungen und Kardiotraining gemacht wird, gibt es noch Atemtrainer. (ich empfehle bspw. den Wikipediaeintrag, denn dort wird allgemeines zur OP-Durchführung und der Nachbehandlung dargestellt) Auf der Normalstation ist man noch ca. eine Woche und kann dann gehen, wenn Infektparameter und Heilung gut sind. Ich hatte einen stärkeren Pleuraerguss und steigende Infektparameter, weshalb sich der Aufenthalt etwas verlängerte. Das ganze wird bei der Sonographie überprüft. Durch den Erguss musste ich deshalb nochmals in den OP und eine Pleurapunktion wurde durchgeführt. Das ganze erfolgt mit Lokalbetäubung (Keine Sorge wenn sie nicht 100% wirkt, hatte ich auch, dass ganze ist etwas schmerzhaft aber mit Zähne zusammenbeißen ertragbar, bzw. es kann auch abgebrochen werden.) und bei mir wurden ca. 800ml Flüssigkeit entnommen. Übrigens ist es auch mal interessant am Sonntag den OP-Bereich zu sehen, denn dort ist komplett tote Hose :). Fäden werden nach 10 Tagen gezogen und die Narben sind wirklich nichts weltbewegendes. Somit wurde ich dann entlassen.

Darauf folgt die Nachbehandlung: Man trägt noch ein paar Wochen eine Thoraxbandage, um das zusammenwachsen der Haut zu fördern. Daneben gibt es weiterhin Schmerzmittel und man darf 8 Wochen keinen härteten Sport machen, darauf folgt dann Physiotherapie. Wichtig ist auch ein Kontrollbesuch bei Facharzt oder KH. Ich hatte auch hier wieder etwas Pech, denn 2 Tage nach meiner Entlassung rief das KH nochmal an und informierte darüber, dass bei der mikrobiologischen Untersuchung trotz vorheriger Verneinung nochmals ein höherer Infektparameter festgestellt wurde, weshalb noch Risiko zur erneuten Pleurapunktion bestand. Glücklicherweise packte mein Körper das ganze alleine und ich musste nicht nochmal ins KH.

Damit war das Kapitel meines Lebens erstmal bis zur Entfernung des Bügels in ca. 2 Jahren beendet.

Für Schüler und Berufstätige: Insgesamt bin ich 4 Wochen in der Präsenz ausgefallen und 8 Wochen im "härteren" Sport. Gerade als Abiturient muss man dort natürlich abwägen, wie man mit der Schule verfährt, denn man wird viel wichtiges verpassen und auch in Klausuren fehlen. Ich habe ca. 3 Wochen zum nacharbeiten benötigt. In diesem Semester lag ich deshalb auch etwas unter meinem sonstigen Schnitt, denn das was man verpasst ist zu viel, um alles perfekt abrufen zu können. (gerade wenn man Tutoren mit sehr hohem Anspruch hat  :) )

Ich hoffe mein Beitrag hilft einigen.
Fragen können gerne gestellt werden.