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Allgemeines => Erfahrungsberichte => Thema gestartet von: Axxedan am 27. Februar 2025, 12:58:39

Titel: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Axxedan am 27. Februar 2025, 12:58:39
Hallo,

ich wollte mal von meiner Erfahrung vor zwei Wochen berichten und habe auch eine Frage.
Ich wurde vor zwei Wochen nach der Nuss-Methode operiert. Ich bin 23 Jahre alt und hatte eine asymmetrische Trichterbrust mit einem Haller-Index von 5,8. Die Kostenzusage von der Krankenkasse kam relativ schnell und die Operation fand dann auch bald statt. Mir wurden zwei Bügel eingesetzt. Das Ergebnis war sehr gut gut im Vergleich zu vorher immernoch okey. Allerdings hing von Anfang an der rechte Bügel etwa 3-4 cm raus, was ich unter der Achsel sehr unangenehm gespürt habe.
Nun, zwei Wochen nach der Operation, bin ich eines Morgens aufgewacht und habe bemerkt, dass der Trichter wieder leicht eingefallen ist. Der Bügel steht nun etwa 5-6 cm heraus, und ich kann ihn fühlen, wie er sich bewegt.
Ich habe sofort im Krankenhaus angerufen und wurde gebeten, zur Röntgenkontrolle zu kommen. Dort wurde festgestellt, dass der Bügel tatsächlich etwas gekippt ist. Sie haben jedoch gemeint, dass es den Aufwand nicht wert sei und ich zunächst noch ein paar Monate abwarten solle, um zu sehen, ob sich alles festigt. Einen neuen Bügel würden sie sowieso nicht einsetzen, sondern nur den vorhandenen entfernen, wenn nötig.
Meine Frage: Sollte ich mir eine Zweitmeinung einholen? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wenn der Bügel jetzt schon kippt, wird er dann nicht eher noch weiter kippen?

Vielen Dank im Voraus für Rückmeldungen!
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Lore Ley am 28. Februar 2025, 14:00:34
Hallo Axxedan,

nach einer Nuss-OP haben die Bügel in der Regel ein gewisses Spiel und im Alltag, bei Sport und Dehnübungen kann man auch spüren, dass eine leichte Verschiebung gegenüber den Rippen bzw. eine kurzzeitige Verklemmung passiert. Aber ein Herausragen der Bügel am seitlichen Ende um 3-4cm direkt nach der OP und eine Verschiebung oder Verkippung um mehrere Zentimeter in den ersten Wochen nach der OP kann man nicht mehr als Spiel bezeichnen, das ist meiner Meinung nach schon ein Hinweis darauf, dass der Bügel nicht optimal gebogen oder befestigt wurde. Auch das leichte Einfallen des korrigierten Trichters ist so kurz nach der OP eher ungewöhnlich. Es ist zwar korrekt, dass man sich zwei Wochen nach der OP noch mitten in der Heilungsphase befindet und die Bügel durch neues Gewebe verkapselt werden und sich somit in ihrer Lage festigen. Genau deswegen sind die ersten acht Wochen nach der OP jedoch kritisch und in dieser Zeit sollte eigentlich nichts dazwischen kommen, was die Verkapselung in der ursprünglich angedachten korrekten Position der Bügel behindern könnte. Mein Arzt hatte mir gesagt, dass die Stäbe nach dieser Schonphase "bombenfest" seien und nichts mehr passieren könnte, das setzt aber natürlich eine perfekte OP voraus.

Wo wurdest du denn operiert?

Gab es am Anfang vielleicht irgendein Ereignis, das zu diesem Herausragen des Bügels geführt haben könnte, z.B. ein harter Fall auf die Seite im Krankenhausbett oder ein Sturz?

Mich macht vor allem stutzig, dass man den einen Bügel evtl. nach einigen Monaten wieder entfernen, aber nicht ersetzen oder bearbeiten würde. Ich weiß natürlich nicht, wie dein Trichter vor der OP aussah, aber bei einer Tragedauer von drei Jahren macht ein Bügel weniger mit Sicherheit einen Unterschied aus. Da dich dein Krankenhaus nun sowieso um ein paar Monate vertröstet hat, würde ich dir wirklich empfehlen, in der Zwischenzeit eine zweite oder sogar dritte Meinung einzuholen. Hier kann ich Dr. Lützenberg empfehlen, vormittags ist das Sekretariat normalerweise gut per Telefon oder Mail erreichbar.

Bei Bedenken zu OPs allgemein ist es ganz normal, dass viele Chirurgen erst einmal mehrere Monate abwarten möchten, bevor weitere Schritte unternommen werden. Das heißt übersetzt, sie wissen es auch nicht besser. Das mag jetzt unfair gegenüber den guten und gewissenhaften Ärzten klingen, aber es ist in den meisten Krankenhäusern in unserem System einfach die normale Vorgehensweise.

Trotz allem gute Besserung, der andere Stab scheint ja keine Probleme zu machen.
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Axxedan am 13. März 2025, 08:23:42
danke für die Antwort.
Ich wurde in der Ruhrlandklinik Essen operiert. Tatsächlich ist der Trichter noch weiter zurückgegangen, sodass ich jetzt wieder eine leichte/ mittelschwere Trichterbrust habe. Die Stange ragt weiterhin 4-5cm aus der Seite heraus. Die Ärzte sagen, die Wölbung sei neu, aber die Bügel würden ihren Zweck weiterhin erfüllen. Außer einer Revision würden sie nichts in Betracht ziehen. Ich habe nun einen Termin bei Dr. Lützenberg im Mai, um mich beraten zu lassen.

Es gab keine Ereignisse die dazu geführt haben.
Ich bereue es, die Operation dort gemacht zu haben, da die Ruhrlandklinik nur die Schmerzmedikation erhöht hat und sagt, es sieht ja trotzdem besser aus als vorher. Ich habe keinen Haller-Index, aber ich würde ihn jetzt auf mindestens 4-4,5 schätzen und die Asymmetrie überhaupt nicht behoben ist (frisch nach der op war diese auch behoben) Vorher lag er bei 5,8. Das ist natürlich eine Verbesserung, aber ich bin trotzdem nicht zufrieden.
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Lore Ley am 13. März 2025, 12:14:06
Hallo Axxedan,

damit bestätigt sich dein erster Eintrag, es gibt hier überhaupt keine Diskussion mehr über den Erfolg der OP im Februar. Du kannst deinen Trichter sicherlich am besten einschätzen. Einen Monat nach der OP befindet sich das Rezidiv also bereits in Schlagweite zum ursprünglichen Haller-Index inklusive Asymmetrie, sogar für dieses Forum ist das eine kuriose Geschichte. Es war richtig, die Meinung der Ärzte in Essen kritisch zu hinterfragen.

Ich finde es gut, dass du gleich reagiert hast und der Beratungstermin in Ostercappeln steht, das ist die richtige Anlaufstelle. Wenn du dich dort für die Revision entscheiden solltest, dann wäre eine Re-OP noch in diesem Jahr realistisch und zumindest verlierst du nicht allzu viel Zeit. Die Korrektur einer einzigen Nuss-OP kann man denke ich vergleichsweise einfach hinbekommen, Dr. Lützenberg wird auch sehr genau auf das Erscheinungsbild der Narben achten und so wenig neues Narbengewebe wie möglich verursachen wollen.

Alles Gute und viel Erfolg.
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Sanne K. am 28. Mai 2025, 15:23:40
Hast du schon ein 2te Meinung aus Osterkappeln ? Wie geht es dir ? Hast du noch schmerzen ?
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Axxedan am 01. Juni 2025, 08:26:25
Hey Leute,
ich melde mich mal wieder nach drei ziemlich schwierigen Monaten.

Vor drei Wochen hatte ich endlich meinen Termin bei Dr. Lützenberg, früher war das leider zeitlich nicht möglich. Er hat sich alles in Ruhe angeschaut – meine Beschwerden, die Ergebnisse der ersten OP – und direkt gemerkt, dass die Lage ziemlich ernst war. Er hat den Verdacht auf eine Dislokation, ein Rezidiv und ein sogenanntes Hinge Point Disruption Syndrome geäußert. Klingt krass, war's auch.

Er hat sofort ein CT angeordnet, und leider hat sich alles bestätigt. Einer der Bügel war sogar so lang, dass er fast durch die Haut gestoßen wäre. Ich war wirklich geschockt. Zum Glück hat Dr. Lützenberg sofort reagiert und innerhalb von zwei Wochen eine Notfall-OP organisiert.

Jetzt bin ich 8 Tage nach der zweiten OP – innerhalb von nur drei Monaten – und ich kann's kaum glauben:
Er hat zwei neue Bügel eingesetzt, die alten entfernt und die Position komplett verändert. Ich fühle mich jetzt schon so viel besser. Das Ergebnis ist optisch richtig gut, aber vor allem habe ich kaum noch Schmerzen und mein Körpergefühl ist ein ganz anderes. Ich kann mich wieder bewegen, ohne dass es sich falsch oder unangenehm anfühlt.

Ich war eine Woche stationär und bin jetzt wieder zu Hause. Klar, ich werde nochmal 8 bis 12 Wochen ausfallen, aber ganz ehrlich: Das ist es absolut wert. Nach dem ganzen Frust und den Schmerzen der letzten Monate hatte ich echt keine Hoffnung mehr – und jetzt bin ich einfach nur erleichtert.

Dr. Lützenberg hat wirklich eine wahnsinnig gute Arbeit gemacht. Ich versteh jetzt, warum ihn so viele hier empfohlen haben.

Falls jemand von euch in einer ähnlichen Situation ist, schreibt mir gern. Ich weiß, wie hilflos man sich fühlen kann, wenn man merkt, dass etwas mit der OP nicht stimmt – aber es gibt echt Hoffnung.
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Sanne K. am 01. Juni 2025, 10:02:20
Ich wünsche dir alles Gute. Die Nachricht hört sich gut an. Es war eine gute Entscheidung nach Osterkappel zu fahren. Dr.Lützenberg und auch das Personal haben viel Erfahrung und verstehen das man Sorgen und Beschwerden hat
Grüsse
Titel: Aw: Trichtebrust op, nach zwei Wochen wieder rezidiv und Bügel gekippt, Hilfe?
Beitrag von: Lore Ley am 01. Juni 2025, 10:04:16
Das klingt richtig gut nach diesem Vorspiel. Schön, dass die zweite OP so schnell stattfinden konnte. Gute Besserung für die nächste Zeit, nach 8 Wochen kannst du dann wahrscheinlich schon Luftsprünge machen. Die Optik sollte sich außerdem noch bis zur Stabentnahme verbessern und definitv nicht umgekehrt.

Viel Erfolg und halte das Forum gerne auf dem Laufenden, wenn du gerade Lust hast.