Brust hat sich nach Entnahme wieder verformt - Atemeinschränkungen, Schmerzen

Begonnen von albatros, 08. Oktober 2023, 14:03:59

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albatros

Hi, wie in meinem Beitrag an anderer Stelle beschrieben, hatte ich vor einem Jahr die Bügelentnahme (OP nach Nuss, in Berlin-Buch), nach einer Tragezeit von 2 Jahren. Ich habe die Bügel entfernen lassen, da die Schmerzen und Probleme und Atemprobleme kaum aushaltbar waren (auf ner Schmerzskala war ich meistens mind. bei 3-4, eher bei 5-6). Indes hat sich mein Brustkorb ziemlich umgestaltet und ich habe viele Asymmetrien im ganzen Körper und seit wenigen Monaten reduziert sich auch wieder mein Atemvolumen und jedes Einatmen ist ein kleiner Kraftakt. Ich weiß gerade nicht, wer Anlaufstelle dafür sein könnte. Eine weitere OP wollte ich nicht, aber ich kann den Zustand schlecht so hinnehmen. Also wollte ich erste Schritte unternehmen, um zumindest meine Situation körperlich-funktionell abklären zu lassen. Beim Hausarzt angesprochen (mit Fragen nach Schritten oder Empfehlungen), wurde darauf gar nicht weiter eingegangen, es quasi abgewunken, weil das Wartezimmer zu voll sei. Das drückt ungefähr aus, wie ich mich in der Hinsicht von ärztlicher Seite aus mit meinen Problemen gesehen fühle... Pulmologe? "Schmerzarzt"? Ich kann mir so gar nicht vorstellen, noch viele Jahre (ich arbeite bereits in Teilzeit) arbeitsfähig sein zu können. Meine mentale Verfassung leidet auch darunter, da ich stets erschöpft und kraftlos bin. LG
28, m
OP nach Nuss in Berlin-Buch mit 2 Bügeln: August 2020

Framussen

Erst einmal, tut mir sehr leid, was du erleben musst.
Den Hausarzt würde ich wechseln!

Glaubst du denn, dass alle deine Symptome von der TB kommen?

Warum glaubst du, sie Arbeitsfaehigkeit leidet bzw. warum bist du bereits auf Teilzeit?

Ich kenne einiges an Symptome, bei Belastung Kurzatmigkeit, Schmerzen an Brust und Rücken. Aber eher weniger Arbeitsunfähigkeit. Hingegen kenne ich einige ohne Trichterbrust, die solche Symptome haben.
Ich kann es nicht beurteilen, vielleicht hast du Läuse und Flöhe. Das du stets erschöpft und müde bist, könnte auch psychosomatischer Natur sein.
Aqua ist es inzwischen weiter gegangen?
Ich kann, wie viele, Dr Lützenberg empfehlen. Der hat großes Engagement. Operiert wurde ich von ihm nicht, bin 37 und war mal bei ihm zu einem Gespräch und seither habe ich das aufgeschoben. Ich habe ein nicht so guten Willital Ergebnis nach Ravitch. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal ran will an so eine schwere OP, obwohl ich selber nicht happy bin.
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albatros

Ich denke, ich werde mich an Dr. Lützenberg noch einmal wenden müssen. Seit den OPs hat sich mein Leben dermaßen geändert, dass ich keinen Tag erlebe, an welchem meine Brust kein Thema ist. Zur Zeit sind meine Schmerzen und Atembeschwerden so ausgeprägt, dass sowohl Lebenswille, als auch alltägliche Belastbarkeit reduziert sind. Mein Brustbein ist weiter hervorgetreten, während die Rippen herum weiter eingesunken sind. Ich habe chronische Nackenverspannungen und Schmerzen (abseits von der Brust/den Zwischenrippenräumen, wo es regelmäßig "ratscht") im Bereich der Schulterblätter, die ich als verdreht erlebe und deren Bewegungsradius eingeschränkt ist. Die Schultergelenke schmerzen bei Spaziergängen, die mich auch bereits schnell erschöpfen. Durchatmen oder vollständig einatmen fällt mir schwer. Die Ästhetik ist für mich nebenrangig.

Ich maße mir an, einschätzen zu können, ob etwas eher "funktioneller" oder "psychosomatischer" Natur ist - abgesehen davon, dass a) solche Trennungen fiktional sind - wir sind biosoziale Wesen - mehrere Sphären wirken immer mit und durcheinander und sind damit auch immer gleichzeitig im verschiedenen Maße betroffen, b) ich eine Ursacheneinschätzung für eine Beschwerde als "psychosomatisch" eher etwas über Kompetenzen, Eigenverständnis des eigenen Berufsbilds und Interesse an Ursachenforschung des Arztes vor mir, als etwas über den Betroffenen zu sagen hat. In aller Regel habe ich den Eindruck gewonnen, der Joker "psychosomatisch" wird von ärztlicher Seite gezogen, sobald sie keine Antwort bzgl. eines Umstandes vorweisen können und sich einer mgl. Verantwortlichkeit zu entziehen versuchen und/oder das Gegenüber weiterreichen wollen.

Ich werde mich wieder um ostheopathische Termine bemühen; plane demnächst eine Lungenfunktionstestung anzugehen, um Vergleichswerte zu haben (und sollten OPs - Gott bewahre - nochmal notwendig werden, um etwas Lebensqualität zu erfahren, dann werde ich ja wieder für die Krankenkasse eine Vielzahl an Befunden innerhalb kürzester Zeit vorzuweisen haben; also sorge ich besser vor) - auch, weil ich Corona im Dezember einen leichten (!) ursächlichen Anteil zuspreche. Außerdem werde ich mich um irgendeine Form schmerztherapeutischer, und vllt. auch infolge dieser psychotherapeutischer Intervention bemühen müssen. Für alle möglichen Empfehlungen in Berlin wäre ich dankbar - gerade, wenn anzunehmen ist, dass die Person vor einem außerhalb des eigenen medizinischen Fachs, "holistisch" denken kann (also bspw. schon mind. ein funktionelles Verständnis von Atmung hat; vllt. sogar auch etwas neurologisches Verständnis, wie diese Strukturen miteinander "kommunizieren").
28, m
OP nach Nuss in Berlin-Buch mit 2 Bügeln: August 2020

Framussen

Moin,

Du schreibst wortgewandt und reflektiert. Ich wollte dir keine Psychosomatik andichten und du scheinst bereits deine Erfahrung mit dem Thema gemacht zu haben, wenn ich deine Reaktion dahingehend richtig interpretiere. Glaube mir, mir geht es genauso. Ich weiß nicht immer, bzw. lässt sich auch nicht immer unterscheiden, wann das somatische Leiden psychosomatischen Ursprungs ist. Ich konnte es in der Vergangenheit zumindest nicht.
Aber es stimmt schon, dass sich das kaum auseinanderhalten lässt, wenn es sich doch gegenseitig beeinflusst.
Mir geht es auch wieder schlechter und ich habe das lange ignoriert. Ich mache sehr ähnliche Erfahrungen bei den Ärzten. Der Pulmologe sagt, man sieht den Trichter gut in Röntgen, mein Lungenvolumen mit 79 sei nicht Besorgniserregend, Zusammenhänge sehe er nicht.
Der Hausarzt winkt eher ab, der Kardiologe findet es allgemein total falsch, dass an TB operiert wird. Bei der vorbereitenden Untersuchung für die Krankenkasse schon blöd, wenn der Kardiologe schreibt, kein Zusammenhang zur TB, Dr. Lützenberger sah das ganz anders. Einatmen in die Brust fühlt sich an, als wenn ich ein Korsett trage, ich habe Missempfindungen im Arm und der Hand, der Versacht ist Toracic Outlet durch die OP, die viele Jahre her ist.

Ich denke nun selber wieder über eine Operation nach.
Nur die Sorge vor erneuten Rezidiv oder das die Probleme am Ende nicht gebessert werden, mind zwei Jahre Bügel tragen. Ich weiß es nicht. Es macht mich verrückt, nicht zu wissen, ob die Ursache dieser Probleme die TB ist und ob eine Operation die richtige Entscheidung wäre.
Zurück zu dir, es ist ja dein Beitrag, den ich nicht kapern will. Ich will sagen, ich kann dich verstehen. Eine Lösung habe ich nicht. Ich würde nicht ausschließen, dass Psychosomatik und Co eine Rolle spielen, aber es ist auch egal. Wenn du dich ähnlich alleine mit dem Problem fühlst, wie ich, dann tut es mir einfach Leid und ich wünsche dir, dass du zu einer Entscheidung und Lösung kommst.
Vielleicht gehen wir gemeinsam nach Ostercappeln  ::)
Alles Gute!

LeaLechera

Hallo albatros,

generell würde ich das Abwinken vom Hausarzt nicht ernst nehmen. Dein Problem ist da und du leidest darunter. Nur weil er nicht spezialisiert darauf ist und nicht weiß, wohin er dich schicken muss, heißt das nicht, dass das Problem nicht existiert.

Ich würde an deiner Stelle den Chefarzt von der Klinik, die dich operiert hat, kontaktieren. Und zusätzlich eine Überweisung zu einem Pneumologen anfragen. Zusätzlich würde ich an deiner Stelle eine Psychotherapie anfangen (wenn du nicht schon eine hattest/hast). Die Operation und die Anschließende Zeit ist nicht ohne und der Körper/ die Psyche müssen ziemlich viel ertragen und aushalten.

Ich möchte einen 'Trichterbrust-Stammtisch' etablieren. Eine Art Selbsthilfegruppe. Wenn du magst, kannst du meinen Blogbeitrag lesen und wir können uns connecten und uns mehr darüber austauschen.
Trichterbrust mit Haller-Index von 7,3 wurde mithilfe von 3 Bügeln in Großhansdorf von Herr Dr. Sönke von Weihe am 6. Oktober 2023 operiert.
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