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Autor Thema: Bericht Berlin Buch  (Gelesen 3590 mal)

Andi_Front

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Bericht Berlin Buch
« am: 04. September 2010, 13:28:28 »

So hier nun mein Bericht über Berlin Buch, ich habe mich jetzt auch operieren lassen.

Ich versuche nicht so viel zu schreiben
Im Groben und Ganzen bin ich wirklich sehr zufrieden. Die Klinik ist toll, ehrlich, also meckern kann ich gar nicht.

Auf meine OP musste ich etwas warten, einen Tag gibt es zum Einnisten, man muss öfter Haftungsausschlüsse für das Hotel Helius unterschreiben, es gab Aufklärungen, Händeschütteln und von allen Seiten Daumendrücken - am nächsten Tag wird erst operiert.
Am Abend kam auf meine Bitte aber nochmal Herr Schaarschmidt höchst persönlich (das muss ich so sagen, weil das immer ein Highlight ist ihn selbst sprechen zu können) zu mir und wir haben uns noch kurz ausgetauscht, Hände geschüttelt, ich habe ihm viel Spaß gewünscht und dann ist er auch schon wieder davon geflitzt.

Um elf Uhr Morgens war die OP geplant, jedoch bin ich erst kurz nach 18 Uhr dran gekommen, weil zwei Notfälle ins Haus kamen. Trockene Haut, Lippen und Stunden später, haben sie mich an den Tropf gehangen, da man zwei Stunden vor der OP nichts mehr trinken darf. Dann hieß es heute wird es wohl nichts mehr, fünf Minuten später stürmte eine Schwester in mein Zimmer und meinte so geht los. Dann wurde es auch leicht hektisch, meine Eltern kamen noch hinzu, mir wurde ein "mir-ist-alles-egal-Saft" gebracht und ab ging's. Noch ein Küsschen hier und da von meinen Eltern und ich wurde den Ärzten überlassen.

Mit einem kleinen Einblick in das Leben des Anästhesisten und der Schwester, die sich über den vorigen Abend unterhielten, wurde ich in eine nächste Ecke geschoben, in der man mich angekabelt hat. Ein PDK-Kateter wurde mir dann in meine Wirbelsäule geschoben, in einen Zwischenhohlraum zwischen Knochenmark und Knochen - es tat nicht weh. Es gab vorher eine kleine Spritze, welche die Eintrittsstelle betäubt, auch ein Anästhetikum, ab da weiß man dann okay du bist dagegen allergisch oder nicht - war ich nicht, hätte man ja gesehen, danach folgt ein sehr dünner Schlauch der ab jetzt und für ein paar Tage zu einem gehört.
An viel erinnere ich mich nicht.

Ich weiß nur ich lag dann nackt dort - zwar bekommt man so ein sexy Höschen, das ist aber auch nur irgendwie ein Netz und man sieht eh alles durch. Man könnte es sich auch sparen.

Eingeschlafen bin ich extrem schnell. Der Anästhesist meinte noch haben sie noch was zu sagen und ich wieso, er, na weil sie gleich weg sind und ich meinte dann nur noch viel Spaß, ich hab' ihn noch lachen hören und war weg.

Ich kann ja jetzt nur aus meiner Sicht schreiben - ein paar Stunden später bin ich auf der Aufwachstation aufgewacht. Ich weiß noch mir ging's ziemlich gut, lag wohl an den Drogen, Schmerzen hatte ich erst keine doch die kamen ziemlich schnell. Ich hatte extreme Schmerzen im Rücken, das kann man sich nicht vorstellen. Irgendwann haben sie mir dann sechs Schmerzmittel verpasst, vier gespritzt und zwei in Form von Pillen. Die brauchten ungefähr eine halbe Stunde dann waren die Schmerzen weg und ich so müde wie noch nie. Aber die Schmerzen waren auch kaum auszuhalten.

Dann irgendwann musste ich aufstehen, ich musste eine Runde laufen, war nicht so cool. Also es ging aber ich hatte schon den ganzen Tag nach meinen Kontaktlinsen gefragt. Irgendwie waren meine Sachen verschollen, da ich eigentlich auf die Intensivstation sollte und in der Aufwachstation gelandet bin. Meine Sachen waren letzten Endes da wo sie Anfangs auch waren... naja, passiert.

Die Nacht war ziemlich schlimm. Ich hatte einen alten Mann neben mir liegen der mehrere Standings bekommen hat.. in seinen Beinen. Er konnte nicht schlafen, hat sich ständig gedreht und dabei hat er immer und immer wieder seine Geräte abgezogen, die dann losgeschriehen haben. Hätte ich aufstehen können, hätte ich ihn mit einem Kissen erstickt!
Ich wollte und musste schlafen und nachdem ich mir Oropax bestellt hatte, konnte ich das auch. Die habe ich mir tief rein gedrückt und bin dann auch schnell weggetreten.

Am nächsten Tag schon ging es auf die Kinderstation zurück - Kinderstation, weil Dr. Schaarschmidt Kinderchirurge ist eben all die, die von ihm operiert werden, dort landen, damit er nicht von Station zu Station rennen muss. Und ich fand es gut, weil keine alten Menschen um einen waren... was gemein klingt aber überall gab es eben Leben um einen und auch viele Gleichgesinnte, was echt schön war, aber dazu später.

Ich weiß nicht wieso ich auf der Aufwachstation gelandet und nächsten Tag schon auf mein Zimmer gebracht wurde. Soweit ich weiß haben alle anderen vier bis fünf Tage auf der Intensivstation verbracht, nur ich nicht - weil ich so ein harter Brocken bin vielleicht ;) - kleiner Scherz.


Die Station ist super. Das Gebäude besteht aus mehreren Etagen, es gibt mehrere Hauptbereiche die farblich markiert sind, wir waren im organgenen Bereich. Stellt euch das so vor; ganz unten gibt es mehrere Empfänge mit Wartemöglichkeiten, großen Pflanzen und so weiter, sehr schön gemacht und darüber nichts, Etagenweise nichts, bis oben das große Glasdach kommt. Also eine Art Innenhof.
Umlaufend sind dann die Behandlungszimmer und Patientenzimmer angeordnet. Von zwei Seiten kann auf diesen Innenhof schauen und auch in die anderen Stationen, wirklich schön gemacht, alles sehr offen und freundlich, bunt, sieht nicht wirklich aus wie ein Krankenhaus - was den Aufenthalt dort viel schöner macht.

Auf den Gängen gibt es Sitzbänke, auch nett gemacht, dort haben wir uns getroffen, gegessen, unterhalten, war echt nett.

Die Schwestern sind auch echt nett gewesen zu mir, die meisten. Manch Spezialisten gibt es ja immer. Die Ärzte sind auch immer für einen da wenn man fragt und auch der Herr Schaarschmidt lässt sich blicken wenn man danach verlangt. Und der Mann ist wirklich unglaublich beschäftigt, unglaublich.


Weiter zu mir.
Ich lief die ersten Tage mit Drainagen und meinem PDK-Gerät rum, welches mir immer schön Schmerzmittel in meine Wirbelsäule gepumt hat, mit einem Knopf mit dem man sich nochmal selbst einen Schuss geben kann. Ein tolles Teil. Losgeworden bin ich die linke Drainage und den PDK-Kateter nach insgesamt vier Tagen - Operationstag mit einberechnet. Bei der rechten Drainage lief es noch zwei Tage später nach. Das Rausziehen war naja. Bei der linken habe ich nichts gespürt, vom Rausziehen des PDK-Kateters habe ich auch nichts gespürt. Doch zwei Tage später bei der rechten, das war schon unangenehm.

Behandelt haben mich zwei Junge Arztanwärterinnen die erstmal leicht verplant die Sachen zusammengesucht haben und ich doch einfach mal fragen musste; "Ihr habt das aber schonmal gemacht oder?" Ja ja war die Antwort. Also die eine schon, einmal zuvor, die andere hat zugesehen. Dann meinte sie so jetzt husten. Ich hab' sie nur angesehen und mich gefragt ob sie wüsste wo sie wäre und meinte dann frech zu ihr, schon mal 'n Trichterbrustpatienten husten sehen? Und musste lachen.
Also husten, niesen und lachen ist euer Tod, das schonmal vorweg.

Nachdem ich bestimmt fünf mal gesagt habe das Husten nicht drin ist nein auch kein bisschen, musste ich tief einatmen und sie zog und zog...und fragte alles klar? Ich nee noch nicht... der Schmerz war brennend, ich konnte richtig den Kanal in mir spüren, ich hätte sagen können wie lang und welchen Durchmesser er hat. Das war schon krass...sich innen so zu spüren. Aber das Erlebnis muss man nicht gemacht haben.
Der Schmerz geht aber auch schnell vorbei - das alles macht einem aber auch nichts mehr aus.

Dann wurde mir noch die Flexüle an meiner Hand abgemacht und ich war ein freier Mann!


Bei mir lief eigentlich alles gut. Abgesehen von den Schmerzen links, da sitzt der Bügel einen Rippenbogen höher als rechts und von außen sieht man dort auch einen kleinen Hügel. Der Arzt musste den Bügel wohl so einsetzen, weil es nur so das Ergebnis mit dem er zufrieden war gab. Jetzt tut es noch bei Bewegungen an der Stelle weh und ich bin leicht eingeschränkt bin was das Arme heben angeht. Das gibt sich aber bestimmt noch.
Ein paar Tage lang hatte ich dort aber richtig Schmerzen und man wusste nicht genau woher das käme, man munkelte schon na vielleicht ein Nerv festgelegt, wenn das bis Dienstag nicht weg ist müssen wir noch mal aufmachen. Zum Glück wurde es besser.

Ich bekam auch eine Atemreflexmassage. Hört sich schön an, nech?
Das waren so die schmerzvollsten Minuten meines Lebens. Jeder Mensch hat viele Punkte am Körper in die man nur reindrücken muss und jeder Stier würde weinend zu boden sinken. Diese Stellen werden massiert, na was heißt massiert... sie werden gedrückt und an ihnen langgezogen. Am Arm, Brust, Achseln, Bauch..ich habe vor Schmerzen geschwitzt. Ziel ist es, dass der Körper von selbst tief einatmet und in die Stellen in denen es wehtut.
Anschließend bekam ich eine Rückenmassage zur Wiedergutmachung..


Nochmal zu dem Thema, das Gleichgesinnte dort untergebracht sind. Also ich hatte richtig Glück, ich habe dort wirklich nette Leute getroffen mit denen man sich gut unterhalten konnte. Ich denke jetzt habe ich auch neue Freunde gefunden, einen von ihnen werde ich auch besuchen. Er ist Schwede und will mir das Klettern zeigen. Da werde ich auf jeden Fall hin. Zusammen haben wir viele Spaziergänge unternommen, er hat mein Englisch verbessert, ich konnte ihm ein paar deutsche Worte beibringen und wir haben viel gelacht, was oft sehr schmerzhaft war. Mir fällt es aber schwer das Lachen zu unterdrücken.

Er liegt jetzt noch dort und kommt wohl am Montag raus. Wenn ich Geld hätte, würde ich glatt nochmal hinfahren und ihm eine Freude machen. Ehrlich gesagt vermisse ich schon ein wenig das Krankenhaus, nein, das Hotel, weil es eben doch eine schöne Zeit war mit den Jungs. Ich hatte echt Glück mit den Leuten und möchte mich hier offiziell auch nochmal dafür bedanken und wünsche allen nur das Beste und gute Genesung.

In dem Sinne


Wer Fragen an mich hat, kann sie hier gerne stellen oder mir schreiben. Ich werde alles beantworten, egal welches Thema es auch ist.



Grüße
Andi
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MistTB

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #1 am: 04. September 2010, 21:47:15 »

Hallo Andi !

Danke für Deinen Bericht, liest sich echt gut u. mit Humor  :D   
Ich kann vieles nachvollziehen, war ja auch erst im Juli dort. Hab das Helios genauso als Hotel empfunden, war ne schöne Zeit!!

Wünsche Dir weiterhin gute Erholung u. alles Gute! 
Leider war das Wetter seit Juli meist schlecht, also nicht viel mit Baden u. Sonnen - so wie ich es vor hatte..
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T-T-T

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #2 am: 06. September 2010, 23:46:12 »

Hey Jungs,

ich mag Euch ja wirklich, aber übertreibt es jetzt mal bitte nicht. Ich komme gerade aus dem Urlaub und ein Hotel ist zum Glück doch etwas anderes. Selbst ein gutes Hostel hat mehr zu bieten.
Zugegeben, ein wenig Jugendherbergscharakter von früheren Klassenfahrten kam doch auf, wenn man sich aus dem Haus geschlichen hat oder Wein ins Haus geschmuggelt hat.  :D

Aber das hängt doch immer ganz stark von den Leuten ab, mit denen man im Zimmer liegt. Ihr hattet Glück und ich sicher auch, aber dafür gibt es keine Garantie und ich kenne auch andere Fälle.

Andy, ich kannte noch gar nicht Deine schriftstellerischen Qualitäten. Kompliment, das liest sich insgesamt richtig gut. Plant Euren Schwedenurlaub übrigens so bald wie möglich, schon in Kürze wird durch die abnehmende körperliche Präsens des Bügels das Thema Trichterbrust abnehmen und solche Vorsätze etwas in den Hintergrund treten. Ich komme ja auch gerade von einer Nordeuropatour wieder, wo ich Greyman in Schweden treffen konnte und wir Implantatträger im Tontaubenschießen die Normalen nass gemacht haben.  8)

Aber ehrlich gesagt hat abgesehen von einem "Brustvergleich" die OP im Urlaub keinerlei Rolle mehr gespielt. Mehr schon Gespräche über die aktuelle Fällen mit Komplikationen, die wir ja auch beide in unseren Blogs thematisiert haben.

Vielleicht bin ich ja auch gerade wieder in Schweden, wenn Ihr dort seid, dann lade ich Euch mal ein.  
« Letzte Änderung: 10. September 2010, 13:20:37 von T-T-T »
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Operiert am 8.2.2010 in Berlin Buch nach Nuss

Mein persönlicher, subjektiver Blog, nicht nur über
meinen eigenen Fall:
http://trichterbrust.blog.de

Andi_Front

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #3 am: 10. September 2010, 21:37:06 »

Erstmal ein Danke an dich M.., nett, dass du mir vorher so viel Info zugesteckt hast und auch mit mir darüber gesprochen hast, über die OP und so weiter und worauf ich achten muss.

Jetzt bin ich zehn Tage zu Hause und versuche von den Schmerztabletten loszukommen. Bisher geht es. Mein Bauch fühlt sich seltsam an aber auch immer nur gegen Abend. Und auf der linken Seite bei mir fühle ich den Bügel, sie mussten ihn sehr schräg einbauen und links sieht man auch einen kleinen Hügel - dass man es sieht ist nicht schlimm, jedoch kommt der Bügel meinem einem Muskel in den Weg, wenn er sich bewegen will. Schmerzen hatte ich dort von Anfang an, es bessert sich mit der Weile. Das ist bei mir aber die schlimmste Stelle.

Auf den Seiten liegen geht soweit, aber auch nur mit Vorsicht.

Nach sechs bis acht Stunden muss ich mich wieder hinlegen, das reicht für das Erste, mehr ist noch nicht drin.
Sonst geht soweit alles
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Andi_Front

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #4 am: 11. September 2010, 19:12:09 »

Soo

Damit die Leute die sich informieren auch ein Gesicht sehen und auch den Unterschied zu vorher, hier ein paar Bilder.

Die Bilder mit Trichterbrust (ach ist das seltsam das zu sagen, mit und ohne, sie ist jetzt weg :) ), entstanden im Krankenhaus den Abend vor der Operation. Die andere heute.










Unverkennbarer Unterschied :)
Keine Rückenschmerzen mehr, ich fühle mich gut.
Heilt alles wunderbar ab, ich nehme auch schon keine Schmerztabletten mehr.

Geht bergauf ;). In eine paar Wochen kann ich endlich wieder mit meinem Sport anfangen und dann gibt es auch gleich wieder etwas Masse drauf. Super :)
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MistTB

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #5 am: 14. September 2010, 19:03:53 »

Hallo Andi!

ja sieht echt gut aus!!

Meine OP war heute genau vor 2 Monaten.  Da kann ich auch mit richtigem Sport anfangen - mir fehlt nur die Motivation z Zt.  ???   Und dann noch der ständige Regen.. gehst Du ins Fitness-Studio?   War ich bisher noch nie..vor der OP sowieso nicht ;D
Gruss Carsten
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Andi_Front

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Re:Bericht Berlin Buch
« Antwort #6 am: 16. September 2010, 16:00:55 »

Hey Carsten

Erstmal ein Danke :)


Nee Sport treibe ich noch nicht, ich habe noch ein paar Erholungswochen vor mir. Noch fühle ich mich dazu auch noch nicht in der Lage.

Generell treibe ich Sport, eigentlich viel davon. Fitnessstudio und schwimmen, was ja bald wieder richtig drin sein wird, hoffe ich :)


Du könntest dir einen Trainingspartner suchen, dann macht es wesentlich mehr Spaß. Im Studio lernt man aber auch Leute kennen. Bist du Student? Dann Unisport

Die Motivation kommt aber auch ganz schnell, wenn man erstmal begonnen hat :), dann möchte der Körper immer mehr. Einfach anfangen ;)

Ich warte nur darauf bis es wieder los geht :D
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