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Autor Thema: Bügelentnahme in Tübingen, nach 2,5 Jahren  (Gelesen 3714 mal)

njuker

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Bügelentnahme in Tübingen, nach 2,5 Jahren
« am: 04. Januar 2011, 00:46:26 »

Hi,

heute war es endlich soweit, meine Bügelentnahme stand an.

Aber kurz zu meiner Vorgeschichte:

Im Mai 2008 (damals war ich 18) wurde meine Trichterbrust durch das Einsetzen eines Bügels (Nuss)
in der Uni Klinik Tübingen von Prof. Dr. Fuchs korrigiert.
Ein Erfahrungsbericht dazu findet sich auch in diesem Forum.

Nach etwas mehr wie 2 Jahren (gab keine Komplikationen in dieser Zeit, den Bügel spürte ich überhaupt nicht mehr egal was ich machte)
ging ich wieder zu Prof. Fuchs, da er eine Tragezeit von 2 Jahren empfohlen hatte.
Auf den Röntgenbildern konnte man erkennen, dass mein Brustkorb in der Tragezeit noch etwas gewachsen war und er deshalb leicht eingekerbt
war an den Stellen wo der Bügel saß.
Deshalb entschied ich mich auch den Bügel entfernen zu lassen, da ich sonst auch noch gut 1-2 Jahre damit hätte leben können (zur Sicherheit).

Ich ließ mir stattdessen noch etwas Zeit einen OP Termin zu vereinbaren und denke, dass die 2,5 Jahre die inzwischen daraus geworden sind, lang genug waren.


So nun zum eigentlichen Thema:


Bügelentnahme am 03.01.2011 (also heute mittag, ich berichte noch fast live  ;)):


Tag 1: OP

Heute morgen kam ich um 7.30 Uhr in die Klinik und wurde stationär aufgenommen. Dass letzte mal essen durfte ich am Abend zuvor,
um heute für die OP auch nüchtern zu sein.
Mir wurde mein Zimmer gezeigt, wo ich auf die OP warten sollte. Die Schwester kam einige male um dinge zu fragen oder mir mitzuteilen und auch die Stationsärztin kam um eine kurze Aufnahmeuntersuchung zu machen.
(Die anderen notwendigen Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und Narkoseaufklärung hatte ich schon Ende Oktober gemacht)

Auch der operierende Arzt (dieses mal nicht Prof. Fuchs, da nicht im Hause), kam um ca 8.30 Uhr in mein Zimmer um einen kurzen Blick auf
mich zu werfen. Er sagte die OP werde vorraussichtlich um 10.30 Uhr stattfinden.
Also wartete ich im Zimmer, las ein wenig oder schaute aus dem Fenster (super Ausblick und strahlender Sonnenschein :))
Um 10.30 kam die Schwester ins Zimmer und sagte es gäbe noch kein Anruf aus dem OP, ich müsse also noch warten, wie lang allerdings konnte
sie nicht sagen.

Also wartete ich weiter. In mein Zimmer kam in dieser Zeit noch ein andere Junge, 16 Jahre alt, der vor 2 Wochen die Diagnose Knochenkrebs
erhalten hatte. Und der nun einen Port gelegt bekommen sollte für die anstehende Chemotherapie, auserdem muss ihm ein Teil des Oberarmknochens entfernt und durch ein Implantat ersetzt werden.

Da sieht man mal wie schlecht es manche Menschen haben und wieviel Pech... So eine Trichterbrust OP bzw. Bügelentfernung ist da nur
ein lächerliche Kleinigkeit wenn man es vergleicht...  :(


Um 12.30 kam dann endlich die Nachricht, dass ich in den OP gebracht werden könnte. Ich lief inzwischen auch schon in den peinlichen
OP-Klamotten rum die ich schon 2 Stunden vorher angezogen hatte ;)
Die Schwester gab mir die Scheiß-Egal-Pille und ich wurde in den OP geschoben.

Es kam mir aber, wie auch schon bei der Bügelimplantation, nicht so vor als würde die Pille wirklich was bringen.
Aufgeregt war ich so gut wie gar nicht, auch den ganzen morgen über nicht. Bin auch bei anderen Sachen selten wirklich aufgeregt.

Im OP angekommen musste ich auf den OP Tisch liegen und wurde direkt in den OP gefahren. Die Leute dort waren sehr nett und haben
alles erklärt (auch wenn ich alles kannte, da ich selbst schon ein Praktikum bei der Anästhesie gemacht habe und somit schon öfters bei OP's dabei war)

Mir wurde ein Zugang gelegt, EKG geklebt und schon ging es los. Der Anästhesist setzte mir eine Sauerstoffmaske auf den Mund und ich atmete tief ein.
Ich wollte mich konzentrieren damit ich genau mitkriege wie die Narkose anfängt zu wirken, also wie ich erst schläfrig werde und so.
Hat leider mal wieder nicht geklappt, hab noch aus den Augenwinkeln gesehen wie er das Propofol eingespritz hat und schon war ich weg. :D

Bin dann im Aufwachraum aufgewacht wo gleich ein Pfleger zur stelle waren der mich fragten wie es mir ginge und so.
War noch ziemlich benebelt, aber hab den glaub ziemlich zugetextet mit irgendwelchem Müll :D
Und mein EKG Kabel anders verlegt weil es mich gestört hat.

Musste dann wie sich rausstellte 1-1,5  Stunden dort warten (was mir aber nicht so vorkam da ich ständig eingenickt bin) weil die Röntgenbilder
irgendwie nicht im System erscheinen wollten. Habe dort auch sofort nach dem Aufwachen meinen Bügel überreicht bekommen, als kleines Andenken :)


Wurde dann vom coolsten Pfleger den es gibt abgeholt, den ich noch vom Bügel
einsetzten kannte :) Immer witzig und gut drauf...
Auf meinem Zimmer angekommen (war wohl so 15.30-16.00Uhr) ließ ich mich erstmal von der Infusion abschließen und war auch sofort auf den Beinen, weil es mir einfach richtig gut ging. Nur leichte
Schmerzen an den Schnittstellen beim Bewegen.
Keine Schmerzmittel nötig gewesen.

Bin 5min später auch schon mit 2 Schwester zum Kiosk runtergelaufen, die eh grad aufm Weg dorthin waren und mich begleiten wollten weil ich wohl noch blass aussah.
Dort 2 belegte Brötchen gekauft, da ja schon lange nichts mehr gegessen.

Hab mich dann mit meinen Brötchen und einer Zeitschrift in nen Aufenthaltszimmer gesetzt, weil mein Zimmernachbar schlief und ich nicht stören wollte.
Nach einer weile allerdings spürte ich etwas auf meiner linken Seite und als ich
an mir hinunterblickte sah ich wie mein T-Shirt sich dort langsam mit Blut vollsog.

Also schnell zum Pfleger gegangen und gezeigt, hat dann nen kleinen Druckverband über das OP-Pflaster geklebt und die Blutung hat aufgehört. War wohl auch nicht weiter schlimm kann vorkommen, aber hab mich wohl einfach doch zu schnell und zu viel bewegt.
Die Leute auf der Station meinten auch, dass hätten sie noch nie gesehen das jemand direkt nach der OP wieder so fit ist als wäre nichts gewesen.

Aufm Gang dann dem Arzt begegnet, der mich operierte und gefragt ob ich vllt. am Abend noch heimgehen könnte. Er meinte allerdings, dass ich mind. noch die Nacht bleiben sollte. Die größter Gefahr nach der OP ist wohl, dass die Naht am Pleuralspalt, der durch die OP geöffnet werden musste und danach wieder zugenäht, aufgeht und die Lunge kollabiert. (Pneumothorax)
Da man daran ersticken kann meinte er, es wäre besser im Krankenhaus zu bleiben da dort sofort hilfe verfügbar ist während man Zuhause wahrscheinlich schon tot ist bis der Rettungsdienst kommt.

Das war also der erste Tag, an dem sich sonst nichts mehr ereignete.



Tag 2: Tag nach OP :P


Mein Zimmernachbar und ich wurden morgens um 7.15 Uhr von einer Schwester geweckt, da die Arzt Visite gleich stattfinden sollte.
7.30 Uhr war sie dann da, 11 Ärzte waren es und noch ein paar vor der Tür, weil das Zimmer zu klein war :D

Mein Doc hat sich kurz meinen Brustkorb angeschaut ob alles noch passt und gesagt sie würden noch ein Foto machen, für ihre Unterlagen.
Hab ihm dann gesagt, dass ich heute gehen werde und er hatte nichts mehr einzuwenden, auch wenn ich natürlich noch länger hätte bleiben können von ihm aus. (Bin wohl der erste dort der am 1. Tag schon wieder heim ist)
Schmerzen hatte ich wie am Vortag auch nur sehr leichte, erträgliche. Wieder keine Schmerzmittel gebraucht.

Später war dann noch ein Fotograf da, der meinen Brustkorb aus verschiedenen Winkeln fotografiert hat und die Stationsärztin, die mir meine Entlassungspapiere brachte.

Um 10.15 Uhr kam dann mein Vater um mich abzuholen.

War also alles in allem ein recht kurzer Aufenthalt, kürzer und einfacher als ich es mir vorgestellt hatte. Fast zu kurz, da die Atmosphäre auf der Station wirklich gut war, alle Pfleger und Schwestern waren super nett und auch die Zivis die rumgesprungen sind waren cool drauf. Finds also fast schade dass es nur so kurz war und habe mir noch überlegt einen Tag länger zu bleiben deswegen :D


Kurz noch ein paar Worte zum Ergebnis.


Im Vergleich mit den Bildern vor dem Bügel einsetzen natürlich ein Himmelweiter unterschied, für den ich sofort wieder die OP auf mich nehmen würde.
Ich bin aber nicht 100% zufrieden, weil ich immer noch eine leicht eingesunkenes Brustbein über der Stelle wo der Bügel saß habe. Und mein Brustkorb auch immer noch ziemlich flach ist, mal schauen wie es aussieht wenn mehr Brustmuskulatur dazukommt.

Das Ergebnis nach der Bügelentnahme scheint noch das gleiche zu sein, wie zuvor als der Bügel noch drin war. Vllt ist es an der Stelle wo der Bügel saß minimal eingesunken.
Man sieht es bisher noch nicht richtig, da die Haut durch die Pflaster noch etwas gespannt ist und alles wahrscheinlich noch ein bisschen geschwollen ist.


Das war also der Ablauf meiner Bügelentnahme. Allen denen das noch bevorsteht nimmt dieser Bericht hoffentlich die Angst davor, denn es ist wirlich nicht schlimm.
Verglichen mit dem einsetzten ein Spaziergang.



Gruß Njuker











« Letzte Änderung: 04. Januar 2011, 18:09:36 von njuker »
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njuker

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Re:Bügelentnahme in Tübingen, nach 2,5 Jahren
« Antwort #1 am: 13. Januar 2011, 23:44:39 »

Hi,

seit meiner Bügelentnahme sind inzwischen 10 Tage vergangen.
Deshalb möchte ich kurz ein paar Sachen schildern, die mich beunruhigen, da ich eh ziemlich schiss hab,
dass die Brust wieder einsinkt.
Zum einen sind es Schmerzen, oder vllt. eher eine Art Druckgefühl, in der Brust, dass ich früher öfter mal hatte und jetzt auch wieder ab und zu,
aber als der Bügel drin war kein einziges mal mehr. Ich hoffe das ist jetzt kein Zeichen, dass alles wieder
einsinkt.

Zum anderen scheint es mir so, dass mein Bauch dicker geworden ist seit der Bügel drausen ist. Fast schon so ballonartig,
hab darüber im zusammenhang mit einer TB gelesen, dass die Rippen vorstehen, dass tun sie bei mir auch etwas, aber allein
von den Rippen her sieht das jetzt nicht so krass aus.
Vllt bin ich auch einfach nur fett geworden am Bauch, aber mir kam es schon vom 1. Tag post op so vor, als ob der Bauch dicker
geworden ist, so dass ich ihn permanent einziehen muss um nicht wie ein hungerndes Kind mit Blähbauch auszusehen.

Und was ich auch noch fragen wollte betrifft die Atmung. Ich atme bewusst sehr oft so tief ein wie ich kann, um dann die Brust rauszudrücken
und einige Sekunden in dieser Position zu halten. Ich dachte mir, dass das vllt dem Einsinken vorbeugt. Allerdings bemerke ich jetzt, dass es beim tiefen Einatmen das Brustbein  leicht nach innen zieht und die Rippen nach ausen presst. Kann es sein, dass die Übung vllt doch nicht so gut ist und ehe eher wieder zum Einsinken beiträgt?

Danke euch schonmal für hoffentlich kommenden Antworten
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Re:Bügelentnahme in Tübingen, nach 2,5 Jahren
« Antwort #2 am: 15. Januar 2011, 18:04:10 »

Hallo,

ich habe meine zwei Bügel am 27.12.2010 rausnehmen lassen.
Auch ich hatte danach teilweise einen Druck auf dem Brustbein. Ich hatte echt überlegt, ob sie mir die Bügel rausgenommen haben, oder neue eingesetzt haben  ;D
Mittlerweile ist das jedoch wieder vorbei.

Ich habe jetzt allerdings auf der linken Seite Schmerzen: so hinter den Rippen (also nicht da wo operiert wurde bzw. der Bügel sass, sondern weiter unten). Keine Ahnung was das ist. Auch kann ich mich auf die linke Seite so gut wie gar nicht legen, da tut es noch ziemlich weh. Rechts ist alles super.

Mein Lungenvolumen ist leider auch noch nicht so, wie es vor der Bügelentnahme war. Ich bin noch viel kurzatmiger.

Aber ich gehe davon aus, dass es lediglich eine Frage der Zeit ist. Rein optisch bin ich aboslut zufrieden.
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