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Autor Thema: "Statistik" zur Kostenübernahme für Trichterbrust-OPs (Genehmigungsquote)  (Gelesen 1625 mal)

ex.pectus

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"Es wird immer alles schlimmer" bzw. "früher war alles besser" wird wohl auch über das Kostenübernahme-Verhalten bzw. die Genehmigungsquote der Krankenkassen und Krankenversicherungen behauptet. Und zwar ganz allgemein, aber eben auch ganz besonders bezüglich Trichterbrust-OPs.

Manche meinen, dass es bei den billigen Krankenkassen besonders schlimm wäre. Die finanziell besser aufgestellten Krankenkassen würden dagegen großzügiger entschieden. Vielleicht ist es aber auch so, dass es den finanziell besser aufgestellten Krankenkassen gerade deshalb so gut geht, weil sie so restriktiv mit Leistungsanträgen umgehen. Das Argument ist also keinesfalls eindeutig und nicht sehr stichhaltig.

Manche meinen auch, dass insbesondere Anträge für TB-OPs in "privaten" Krankenhäusern gründlicher bzw. restriktiver geprüft werden als solche in öffentlichen Universitätskliniken mit besonders gutem Ruf. Allerdings wurden die meisten Nuss-OPs in Deutschland bisher im Helios-Klinikum Berlin-Buch durchgeführt (aktuell über ca. 1.300), einem Krankenhaus in privater Trägerschaft mit klarer Gewinnerzielungsabsicht. Das spricht also keinesfalls für diese These. Und ich kenne auch sonst keine Hinweise dafür, dass die Ablehnungsquote für das Helios höher als anderswo wäre.

Manche meinen, dass es damit zusammenhängt, dass einige Krankenkassen Anträge auf TB-OPs organisatorisch anders behandeln als Anträge auf andere OPs. Und zwar in der Weise, dass TB-OP-Anträge dort generell bzw. vermehrt zum MDK zur Prüfung geschickt werden. Damit ist allerdings noch nicht viel gesagt. Denn eigentlich sollte der MDK ja "objektiv" prüfen. Es kommt also darauf an, nach welchen Kriterien und mit welchen Maßstäben dort geprüft wird. Und, ob heute strenger/restriktiver geprüft wird als früher. Das würde an dieser Stelle zu weit führen. Ich werde das demnächst nochmal aufgreifen und vertiefen.

Zahlen und Statistik:

Ich habe zur Kostenübernahme bzw. deren Ablehnung keine verlässlichen, repräsentativen Zahlen. Und die hat vermutlich auch sonst keiner, außer vielleicht die Krankenkassen, falls sie die entsprechenden Daten erfassen. Eine Statsitik für die duchgeführten OPs, also den bewilligten OPs, gibt es auf jeden Fall. Fraglich ist, ob auch die abgelehnten Anträge entsprechend erfasst werden.

Aber man kann mal versuchen, eine ganz grobe Schätzung durchzuführen. Und mal das Verhältnis der vorhandenen Trichterbrust-Fälle zu den durchgeführten Operationen zu betrachten.

Eine Schätzung für die durchgeführten Trichterbrust-Operationen lautet 500 pro Jahr (vermutlich ohne Bügelentnahmen).

Und als Schätzung für die Anzahl an neuen Trichterbrust-Fälle pro Jahr gehe ich einfach von der üblichen Angabe der Inzidenz aus, die mit 1:300 bis 1:400, aber auch mit 1:1000 angegeben wird. In Prozent sind das 0,25% bis 0,3%, bzw. 0,1%. Bezogen auf einen Jahrgangsstärke von 600.000 bis 1.000.000 der deutschen Bevölkerung ergeben sich somit durchschnittlich 600 bis 3.000 neue Trichterbrust-Fälle pro Jahr.

Somit könnten also (aufs Jahr bezogen) den 500 TB-Operationen ca. 600 oder auch 3.000 TB-Fälle gegenüberstehen. Bei einen Verhältnis OP zu TB von 500 zu 600 (= 83%) könnte man sicher von einer allgemein hohen Erfolgsaussicht sprechen, bei einem Verhältnis von 500 zu 3.000 (ca. 16%) wohl eher nicht.

Abgesehen von den bereits genannten Ungenauigkeiten berücksichtigt diese Abschätzung nicht, dass zwischen dem Jahr des Auftretens der TB (Geburt oder frühe Kindheit) und dem Jahr der OP unterschiedlich viele Jahre vergehen. Über die Jahre müsste sich das aber im Durchschnitt wieder ausgleichen. Unberücksichtigt ist auch der Ausprägungsgrad der TB. Nicht jede TB muss operiert werden. Und nicht jeder will operiert werden.

Und da sich nicht jeder operieren lassen will bzw. auch aus sonstigen Gründen nicht bei jeder TB auch ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt wird, kann man die OP-Quote auch nicht mit der Genehmigungsquote gleichsetzen. Die Genehmigungsquote kann nur nicht niedriger sein als die OP-Quote, sondern muss gleich oder höher sein.

Ergebnis: Aus den bekannten, vorhandenen Zahlen kann man keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Im günstigsten Fall liegt die Genehmigungsquote bei über ca. 83% und im schlechtesten Fall aber nur über ca. 16%.

Kennt jemand bessere, genauere Zahlen? Kommentare, Meinungen?
« Letzte Änderung: 05. August 2013, 13:17:18 von ex.pectus »
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