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Autor Thema: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)  (Gelesen 3530 mal)

aktenmann

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Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« am: 23. Juni 2014, 19:18:05 »

Hallo Leute,

das hier wird mein erster Post im Forum. Lange war ich stiller Mitleser (besonders vor meiner OP im Nov. 2011 war ich hier Dauergast) und nun möchte ich mal ein paar Bilder von mir posten. Ein Erfahrungsbericht steht auch noch an, aber dazu brauch ich Muse und da morgen die Bügelentfernung ansteht könnte das noch ein bisschen dauern.
Kurz zu mir: ich bin M, 25 jahre alt, 1,91m groß bei jetzt 82 kg. Im November 2011 hatte ich in Berlin Buch eine Trichterbrustoperation mit 2 Bügeln. Damals wog ich noch knapp 70kg und bin dann mit guten 67kg nach 3 Wochen wieder raus aus dem Krankenhaus. Also total am Arsch sozusagen. Ich hab vor der OP kaum Bilder von mir gemacht und erst recht nicht vom Körper, konnte aber doch noch ein paar finden. Ich hatte eine sehr großflächige, leicht asymmetrische Trichterbrust mit respektablen 9cm Tiefe, Modell Bombentrichter:




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aktenmann

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #1 am: 23. Juni 2014, 19:41:08 »

Da ich hier nur 4 Bilder anhängen kann, kommen die danach-Bilder eben jetzt. Das Ergebnis der OP war sehr gut, dennoch war ich immer noch sehr dünn und ziemlich schwach. Leider hab ich keine Bilder von direkt nach der Op. Nur so viel: man hat das Brustbein zu jeder Zeit durch die Haut und Muskeln gesehen. Hab dann erstmal ein gutes Jahr rumgegammelt und konnte mich dann endlich aufraffen, was sportlich zu unternehmen. Mittlerweile bin ich seit einem Jahr im Fitnesstudio und hab meine Ernährung umgestellt, um endlich ein paar Kilos draufzubekommen. Und siehe da, es funktioniert. Soviel erstmal dazu, ich wollte eigentlich noch so viel mehr schreiben, aber das werd ich dann wohl alles in den Erfahrungsbericht packen. Aktuelle Bilder sehen so aus:











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ex.pectus

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #2 am: 24. Juni 2014, 10:26:23 »

nun möchte ich mal ein paar Bilder von mir posten.

vielen Dank!

Ein Erfahrungsbericht steht auch noch an,

ja, bitte! wäre sehr schön.

aber dazu brauch ich Muse

ich freue mich über jeden Erfahrungsbericht: egal ob fix und fertig ausgefeilt mit abschließendem Fazit oder quasi in Echtzeit nur bis zum jeweiligen Zeitpunkt und deshalb unvollständig ... Letzteres hat meiner Meinung nach den Vorteil, dass man nichts vergisst oder wegen des zeitlichen Abstands anders erinnert, eben authentischer ...

und da morgen die Bügelentfernung ansteht

Viel Glück und alles Gute!

Kurz zu mir: ich bin M, 25 jahre alt, 1,91m groß bei jetzt 82 kg. Im November 2011 hatte ich in Berlin Buch eine Trichterbrustoperation mit 2 Bügeln. Damals wog ich noch knapp 70kg und bin dann mit guten 67kg nach 3 Wochen wieder raus aus dem Krankenhaus.

3 Wochen -> also mehr als 10 Tage -> nicht ganz optimaler Verlauf?

Ich hab vor der OP kaum Bilder von mir gemacht und erst recht nicht vom Körper, konnte aber doch noch ein paar finden. Ich hatte eine sehr großflächige, leicht asymmetrische Trichterbrust mit respektablen 9cm Tiefe, Modell Bombentrichter:

wenn ich die Bilder richtig interpretiere, warst du aber nicht nur dünn/mager sondern trotzdem auch "muskulös" (= Bauchmuskeln), also vermutlich schon immer sportlich bzw. trainiert?


Mittlerweile bin ich seit einem Jahr im Fitnesstudio und hab meine Ernährung umgestellt, um endlich ein paar Kilos draufzubekommen.

und wie man sieht, ist dir das auch gelungen. D.h. knapp 10 bis 12 Kilo Gewichtszunahme in ca. 1-1 1/2 Jahren und eigentlich nur Muskelmasse? Jedenfalls kein sichtbares Fett? Wie hast du das gemacht? In der Theorie soll das vielleicht gehen, keine Frage. Kann man ja auch im Internet nachlesen. Aber das dann in die Praxis umzusetzen: tolle Leistung!

Hattest du einen Trainer/Berater, der sich damit auskennt? Oder hast du dir das Wissen alles selber zusammengetragen? Wie hast du trainiert? Sehr intensive Tage mit vielen Erholungstagen dazwischen oder eher jeden 2. Tag oder ...?

Und hat sich das Gewicht kontinuierlich in Richtung des aktuellen Werts entwickelt oder hattest du zwischenzeitlich sogar mehr Gewicht/Fett und hast es wieder abgespeckt?

Ernährung: was denkst du, war das entscheidende bei dir? Einfach mehr Energie/Kalorien? Oder mehr: Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und genaue Zusammensetzung?

Fragen über Fragen ...
« Letzte Änderung: 24. Juni 2014, 10:34:04 von ex.pectus »
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Trichter-/Kielbrust Nuss-OP 22.10.2010 (43 J, m, 185 cm, 71,5 kg, Berlin-Buch Prof. Schaarschmidt)
2. OP=Bügelentfernung 20.11.2013 (Magdeburg, Dr. Lützenberg)
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rennrad

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #3 am: 24. Juni 2014, 17:04:31 »

hallo aktenmann,
wie hast du die Gewichtszunahme hingekriegt?

hab die gleiche Größe, hatte eine ähnliche Trichterbrust. Das Gewicht, 65kg, ist geblieben.

Gruß
Achim
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aktenmann

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #4 am: 30. Juni 2014, 20:51:00 »

Hallo Leute,

ich meld mich erstmal kurz zurück. Bin jetzt wieder zu Hause nach der Entnahme (alles gut verlaufen). Ich werd alle Fragen gern beantworten und mich nochmal hinsetzen, um einen ausführlichen Bericht über die 2,5 Jahre mit Resumè usw. verfassen. Kommt also alles. Bis dahin ein wenig Geduld ;)
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aktenmann

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #5 am: 01. Juli 2014, 19:50:25 »

So, dann werde ich schonmal auf die Fragen eingehen.


Kurz zu mir: ich bin M, 25 jahre alt, 1,91m groß bei jetzt 82 kg. Im November 2011 hatte ich in Berlin Buch eine Trichterbrustoperation mit 2 Bügeln. Damals wog ich noch knapp 70kg und bin dann mit guten 67kg nach 3 Wochen wieder raus aus dem Krankenhaus.

3 Wochen -> also mehr als 10 Tage -> nicht ganz optimaler Verlauf?

Die 3 Wochen kommen so zustand, dass an meinem OP-Termin noch Notfälle reinkamen und ich dann übers Wochenende nochmal nach Hause geschickt wurde. Eingewiesen war ich aber trotzdem. Aber ein Wochenende als kerngesunder im Krankenhaus - da bekommt man eine weiche Birne. Von der OP bis zur entlassung müssten es dann knappt 2-2,5 Wochen gewesen sein. Ganz optimal isses bei mir auch nicht verlaufen. Waren aber Kleinigkeiten. Zum einen lag ich gute 1,5 Wochen auf der Intermediate Care Station  (Zwischenstation zwischen Intensiv und Normal), weil bei mir immer neues Wundwasser aus einer Seite gelaufen kam. Man bekommt ja dann diese (etwas größeren) Pumpen zusammen it den kleinen Behältern, die von allein laufen. Und solange die Pumpen noch was fördern, bleibt man auf der IMC, egal, wie gut es einem geht. Teilweise bin ich dann mit Rollator (auf dem mein ganzes "Equipment" deponiert war) auf der IMC spazieren gegangen oder hab mich draußen zum Buch lesen hingesetzt. Das hat immer für ungläubige Blicke gesorgt, weil ja sonst fast alle dort die ganze Zeit im Bett liegen. Die kannten mich dann aber schon und haben sich nicht mehr gewundert. 
Zum anderen musste ich dann noch ein paar Tage länger auf der Normalstation bleiben, weil eine Drainage (die kleinen Behälter) immer weiter lief und ich noch einiges an Wundwasser in der Seite hatte. So kommt die etwas längere Zeit zustande.


Ich hab vor der OP kaum Bilder von mir gemacht und erst recht nicht vom Körper, konnte aber doch noch ein paar finden. Ich hatte eine sehr großflächige, leicht asymmetrische Trichterbrust mit respektablen 9cm Tiefe, Modell Bombentrichter:

wenn ich die Bilder richtig interpretiere, warst du aber nicht nur dünn/mager sondern trotzdem auch "muskulös" (= Bauchmuskeln), also vermutlich schon immer sportlich bzw. trainiert?


Sportlich war ich schon immer. Ich hab von 9-18 Karate trainiert, war im Schulsport immer gut mit dabei und auch von 18 bis zur OP mit 23 hab ich an der Uni viel Basketball gespielt. Ich war aber auch schon immer so schlank und groß. Nur Ausdauertechnisch nicht der Beste, eher schnellkräftig. Großartige sichtbare Muskeln hatte ich eigentlich nie sonderlich. Beim Karate wird auch sehr viel Fokus auf Atmung und generell auf feste Bauchmuskeln gelegt, daher waren die bei mir noch ganz gut ausgeprägt. Allerdings muss man beachten, dass sichtbare Bauchmuskeln eher ein Anzeichen von geringem Körperfettanteil sind. Deshalb bringen auch unzählige Bauchmuskelübungen kein sichtbares Sixpack, sie stärken die Bauchmuskeln nur. Dazu später aber mehr. Außerdem hatte ich auf dem Bild meine Bauchmuskeln extra angespannt ;)

Mittlerweile bin ich seit einem Jahr im Fitnesstudio und hab meine Ernährung umgestellt, um endlich ein paar Kilos draufzubekommen.

und wie man sieht, ist dir das auch gelungen. D.h. knapp 10 bis 12 Kilo Gewichtszunahme in ca. 1-1 1/2 Jahren und eigentlich nur Muskelmasse? Jedenfalls kein sichtbares Fett? Wie hast du das gemacht? In der Theorie soll das vielleicht gehen, keine Frage. Kann man ja auch im Internet nachlesen. Aber das dann in die Praxis umzusetzen: tolle Leistung!

Da ist sicher ein bisschen Fett dabei, aber das setzt sich bei mir an den Beinen und am seitlichen Bauch ab. Muskelaufbau ist ganz einfach, die Umsetzung ist das, was schwer ist. Man braucht nur 3 Dinge: einen guten Trainingsplan, den man auch konsequent umsetzt, genug Regeneration zwischen den Einheiten und (das wichtigste) eine gute Ernährung. Das heißt, man muss seinen täglichen Energiebedarf durch essen decken oder sogar etwas übersteigen und gleichzeitig ausreichend viel Eiweiß Konsumieren, damit man Muskelmasse aufbaut. Im Endeffekt heißt das nichts weiter, als essen, essen, essen. In meinem Fall war ich geschockt, wie viel ich eigentlich essen musste. Dazu später aber nochmal mehr.

Hattest du einen Trainer/Berater, der sich damit auskennt? Oder hast du dir das Wissen alles selber zusammengetragen? Wie hast du trainiert? Sehr intensive Tage mit vielen Erholungstagen dazwischen oder eher jeden 2. Tag oder ...?

Ich hatte nur das Internet. Hab mir alles selbst zusammengesucht und die richtigen Infos für mich herausgefiltert. Gerade im Bereich Fitness und abnehmen/aufbauen wird nämlich auch unglaubliche viel Mist erzählt. Immer kritisch hinterfragen. Letztenendes bin ich auf Youtube hängengeblieben, wo ich mir ein paar Kanäle abonniert habe und mir dann immer mal zwischendurch die Videos reingezogen hab. Klassiche Bodybuildingforen sind auch zu empfehlen. Manchmal herrscht da ein etwas rauher Ton, aber die Jungs wissen es einfach am besten.

Trainiert habe ich anfangs in der Physiotherapie. Die haben mich immer mal mit in deren Kraftraum genommen und mir ein paar Funktionsübungen gezeigt. Dann hab ich mir irgendwann mal ein Kurzhantelset zugelegt und zu Hause angefangen, Übungen zu machen. Allerdings stößt man da sehr schnell an seine Grenzen. Letztendlich bin ich jetzt seit ca einem Jahr fest im Fitnesstudio und kann das auch nur jedem direkt von anfang an empfehlen. Ich trainierte anfangs immer jeden zweiten Tag. Mittlerweile bin ich 5 mal pro Woche im Studio und mache das Wochenende Pause. Der Plan ist Push/Pull/Beine/Push/Pull/frei/frei und von vorn. Dauer immer so 1-1,5 Stunden.


Und hat sich das Gewicht kontinuierlich in Richtung des aktuellen Werts entwickelt oder hattest du zwischenzeitlich sogar mehr Gewicht/Fett und hast es wieder abgespeckt?

Mein Gewicht ist über lange Sicht immer gestiegen. Hin und wieder hab ich mal 1-2 kg wieder verloren durch ne Krankheit oder einfach weil ich nicht konsequent genug gegessen habe. Das darf man aber auch nicht überbewerten. Wasser im Köprer, eine volle Blase und ein voller Magen und Darm können locker mal 1-2 kg ausmachen.

Ernährung: was denkst du, war das entscheidende bei dir? Einfach mehr Energie/Kalorien? Oder mehr: Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und genaue Zusammensetzung?

Ganz klar die Menge. Vorher hab ich mich immer versucht an diese klassische Frühstück/Mittag/Abendbrot - Regel zu halten und dann einfach weil es eben Abend war, noch ne Kleinigkeit gegessen. Das ist aber alles Unsinn. Primär zählt die Menge. Der Körper verbraucht an einem Tag eine bestimmte Menge an Energie, bzw. setzt sie um. Zum Bewegen, zum denken, für einfach alles benötigt er Energie. Diese kommt nur durch die Nahrung rein. Deckt man seinen Energiebedarf nicht mit der Nahrung, fährt der Körper in Sparmodus und fängt an, die Reserven anzugreifen. Das sind Fett und Muskeln. Spätestens jetzt sollte es allen hier dämmern, warum ein großteil schlank und fettfrei rumläuft. Zeitgleich fängt der Stoffwechsel an, sich anzupassen, also der Körper lernt dann mit immer weniger Energie auszukommen. Das passiert spätestens dann, wenn man kaum noch Muskeln oder Fett hat, von denen der Körper zehren kann.
Am Anfang meiner Ernährungsumstellung habe ich manche Tage nicht mal 2000 kcal gegessen. Oft drunter. Das ist mir erst bewusst geworden, als ich mir wirklich alles abgewogen und aufgeschrieben habe, was ich am Tag gegessen hab. Zahlen lügen nicht und man kann sich nicht mehr selber belügen. Ca 99% der Menschen, die sagen "Ich ess doch sooo viel und auch was ich will und nehm aber trotzdem nicht zu" essen einfach zu wenig. Punkt aus. Keine Krankheit, kein Defekt. Bei mir wars genau so. Übrigens ist das bei den Leuten, die abnehmen wollen das gleiche, nur umgekehrt. Ich bin dann schlagartig auf 2500-2800 kcal hoch und habe erstmal gemerkt, wie unglaublich viel essen das für mich war. Und wir reden hier nicht von Löffelweise Zucker essen oder sich einfach Öl reinkippen. Mittlerweile bin ich bei 3200 kcal, um mein Gewicht zu halten (!). Es gibt Menschen meiner Statur und Größe, die gehen mit 2500 kcal auf wie ein Hefekloß. Damit will ich sagen, dass es keine genaue Angabe dafür gibt. Das muss man selber herausfinden, da jeder Stoffwechsel unterschiedlich ist.
Die Menge zählt als erstes. Wenn man die im Griff hat, kann man sich um die genaue Verteilung von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten kümmern.


Fragen über Fragen ...

Immer stellen! Ich beantworte die gern.



So viel erstmal zu deinen Fragen. Ein bisschen was sollte da auch schon für "rennrad" mit beantwortet sein. Mir fällt immer wieder auf, dass es zwischen Trichter/Kielbrust und einem schlanken, großen, kaum muskulösen Körper eine Art Korrelation zu geben scheint. Ich hatte jetzt zur Bügelentnahme auch erst wieder 2 Leute mit auf dem Zimmer, die exakt so aussahen, wie ich vor 2,5 Jahren. Die haben mich dann auch irgendwann zum Thema Muskelaufbau gelöchert.
Ich finde, meistens ist das ein Kombinationsproblem. Ist die Trichterbrust weg, steht man dann eben trotzdem da, wie ein Strohhalm. In meinem Fal lwar es so, dass das Brustbein derart nach vorn gedrückt wurde, dass mann es durch die Haut durchsehen konnte. Das gefiel mir überhaupt nicht, deswegen die Sache mit dem Muskelaufbau. Aus anfangs rein ästhetischer Sicht hab ich angefangen, mittlerweile merke ich aber, dass mir das viel mehr gibt und dass es auch sehr gesund für Körper und Geist ist. Kurzum: ich kann es jedem empfehlen. Klar, mit einer operierten Trichterbrust muss man anfangs etwas vorsichtiger sein, aber bei mir war das alles nur Kopfsache. Ich hatte anfangs tierische Angst, wieder zu laufen, oder Basketball zu spielen, wegen der "Erschütterung". Als mir dann das erste mal einer vorne draufgeknallt ist, war das ein riesen Schock, später dann aber garnicht so mehr so schlimm. Ich hab die Bügel jederzeit gespürt, aber sie haben mich nicht behindert. Es fühlt sich anders an, aber ist alles Gewöhnungssache. Man muss einfach anfangen und dran bleiben, dann wird das auch was. Anfangs konnte ich nicht mal die Stange beim BD ordentlich balancieren, mittlerweile drückt ich auch meine 80kg im 5x5. Vor der TB OP waren Rückenschmerzen dauerzustand und meine Haltung glich einem Fragezeichen. Mittlweile kann ich 150kg Kreuzheben und mein Rücken und meine Beine sind so stark geworden, dass ich eigentlich keinerlei Probleme mehr habe, irgendetwas zu heben oder wo raufzutragen.
Auch die Ernährungsumstellung war genau das richtige. Mittlerweile Kenn ich mich ziemlich gut mit Lebensmitteln aus und merke, wie unglaublich viel Einfluss man durch die Ernährung auf seinen Körper hat. Hat sich mal jemand von euch mal 400-500g komplexe Kohlenhydrate pro Tag reingezogen? Danach dreht der Körper erstmal richtig auf und man merkt, wozu man eigentlich im Stande ist.
So nun ist aber erstmal genug gequatscht. Ich werde mal schauen, ob ich noch eine Art Anleitung/Guide zum Muskelaufbau speziell für extrem schlanken Menschen auftreiben kann. Mein persönlicher Kurzguide:

1. Kcalbedarf berechnen (dazu gibts rechner im Internet oder Formeln zum selber ausrechnen)
2. Einlesen in die allgemeine Ernährungslehre (Kcal, Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine, Mineralstoffe)
3. Einfach mal anfangen zu essen und aufschreiben. Zum Dokumentieren empfehlen ich eine App fürs Telefon mit Essensdatenbank. Davon gibts einige. Ich nutze Momentan Lifesum, andere gute sind FDDB.info (sowohl als Seite, als auch als app) oder Myfitnesspal. Strebt eine relativ hohe Eiweißzufuhr an. Darüber scheiden sich die Geister, wie viel und wann. Ich für meinen Teil zieh am Ende eines Tages Bilanz. Wann innerhalb dieser 24 Stunden ich was gegessen habe, ist vorrangig nicht wichtig. Esst ca 1,5-2g Eiweiß / kg Körpergewicht, 1-1,5g Fett / kg Körpergewicht (oder auch mehr, wenn die vielen Kohlenhydrate nicht reinbekommt) und den Rest füllt ihr mit Kohlenhydraten auf (vorzugsweise Komplex, Vollkorn, Haferflocken etc, aber auch hier gilt: esst, was ihr reinbekommt). Viel trinken! 3 Liter und mehr.
4. Anmelden im Fitnessstudio und hingehen. Kein Firlefanz zu Hause mit 2 Kurzhanteln, da verschwendet ihr Zeit. Geht ins Studio, am besten gleich hinten in die Pumperecke mit den dicken Jungs und fangt an. Ich versichere euch, es interessiert KEINE SAU, was ihr dort macht. Haltet euch anfangs an schwere Grundübungen. Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben, Kimmzüge  und eventuell noch eine Rudervariante. Da deckt ihr alle Muskeln am Körper erstmal ab. Fangt nicht an und setzt euch an die Butterflymaschine oder startet das Training mit Bizepscurls. Ihr werdet am Anfang nichts können, stellt euch drauf ein. Das gibt sich aber sehr schnell. Der Körper muss erst lernen, die Muskeln, die ihr habt zu nutzen. Außerdem steigert man in den ersten Wochen/Monaten extrem schnell. Immer vorausgesetzt, ihr esst genug. haltet euch an 3 Sätze à 6-12 Wdh pro Übung. Wählt das Gewicht so, dass der Zielmuskel nach diesen 3 Sätzen gut platt ist. Schafft ihr mehr, erhöht das Gewicht. Muskeln brauchen Überlastungsreize. Der Körper will keine Muskeln aufbauen, wenn er sie nicht braucht. Also müsst ihr ihm zeigen, dass er mehr davon benötigt. Ihr seht dann anfangs erstmal, was für Muskeln ihr überhaupt alles am Körper besitzt. Als ich das erste mal meinen Trizeps gesehen habe, hab ich bis über beide Ohren gegrinst ;)
5. Dran bleiben. Muskelaufbau dauert ewig und man sieht die Fortschritte nur, wenn man sie dokumentiert. Ich nehme euch mal einfach alle Illusionen, dass ihr euch in 8 oder 12 Wochen komplett verändert. Das ist nicht möglich. Kontrolliert über euer Gewicht, ob ihr zunehmt und über eure Gewichte, ob ihr stärker werdet. Und macht einfach immer weiter.
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ex.pectus

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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #6 am: 05. Juli 2014, 22:49:18 »

Muskelaufbau ist ganz einfach, die Umsetzung ist das, was schwer ist. Man braucht nur 3 Dinge: einen guten Trainingsplan, den man auch konsequent umsetzt, genug Regeneration zwischen den Einheiten und (das wichtigste) eine gute Ernährung.
...
Ich trainierte anfangs immer jeden zweiten Tag. Mittlerweile bin ich 5 mal pro Woche im Studio und mache das Wochenende Pause. Der Plan ist Push/Pull/Beine/Push/Pull/frei/frei und von vorn. Dauer immer so 1-1,5 Stunden.

Der bisherige Erfolg gibt dir ja Recht, was den Muskelaufbau angeht. Aber wie passt "genug Regeneration" zu dem mittlerweise fast täglichen Training? Hattest du den größten Muskelzuwachs schon als du höchstens jeden 2. Tag trainieren warst oder ging es erst richtig los, als du auf häufigere Frequenz umgestellt hast?

Trainiert habe ich anfangs in der Physiotherapie. Die haben mich immer mal mit in deren Kraftraum genommen und mir ein paar Funktionsübungen gezeigt.

Krafttraining über die Physiotherapie zu beginnen, habe ich hier auch schon empfohlen, bspw. KG am Gerät. Ist natürlich keine Standardleistung bei jeder Physiotherapie-Praxis. Aber es gibt welche, bei denen man auch Bankdrücken u.a. machen kann. Und eben auch Physiotherapeuten, die selber Krafttraining machen und Ahnung davon haben. Muss man sich nur etwas umhören und vor der Abgabe des Rezepts nachfragen.

Ein bisschen was sollte da auch schon für "rennrad" mit beantwortet sein. Mir fällt immer wieder auf, dass es zwischen Trichter/Kielbrust und einem schlanken, großen, kaum muskulösen Körper eine Art Korrelation zu geben scheint. Ich hatte jetzt zur Bügelentnahme auch erst wieder 2 Leute mit auf dem Zimmer, die exakt so aussahen, wie ich vor 2,5 Jahren. Die haben mich dann auch irgendwann zum Thema Muskelaufbau gelöchert.

also ich habe zur Musterung nur 56 kg bei 185 cm gewogen (BMI 16,36). Das lag aber nicht am Stoffwechsel oder dergleichen, sondern an den Umständen: Essen in der Schule meist komplett ungeniesbar, Alternativen schlecht oder kaum verfügbar. Als sich die Umstände gebessert haben, hat sich auch mein Gewicht normalisiert, innerhalb von ca. 7 Jahren bis hin zu maximal 89 kg (also mit Mitte 20). Aber keine Muskeln sondern eigentlich nur Fett. Ich habe dann 1995 mit "Kalorienzählen" (automatisch mit Excel-Tabellen) kontinuierlich monatlich je ca. 1 kg abgenommen bis ich um die 75 kg hatte und habe das dann lange relativ konstant gehalten. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Und ich muss weiterhin aktiv mein Gewicht kontrollieren. Wenn ich einfach nach Laune essen würde (Eis, Kuchen, Snacks), hätte ich auf Dauer massives Übergewicht trotz regelmäßigem Joggen.

Geht ins Studio, am besten gleich hinten in die Pumperecke mit den dicken Jungs und fangt an. Ich versichere euch, es interessiert KEINE SAU, was ihr dort macht. Haltet euch anfangs an schwere Grundübungen. Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben, Kimmzüge  und eventuell noch eine Rudervariante.

Hast du tatsächlich so angefangen oder denkst du nur im Nachhinein, dass man so anfangen sollte bzw. du besser so angefangen hättest? Ich meine, dass diese Übungen vielleicht theoretisch auch für einen Anfänger geeignet sind, aber praktisch? Ich bin jetzt nicht der Experte dafür, aber meistens höre oder lese ich, dass diese komplexen Übungen (wie Kniebeugen, Kreuzheben) auch für Anfanger OK sind, wenn sie korrekt durchgeführt werden. Das Probem: die korrekte Durchführung. Ich denke, da hängt viel von den persönlichen Voraussetzungen (bestehende Fehlhaltungen, Erkrankungen, sportliche Vorerfahrungen etc.) und den örtlichen Gegebenheiten (kompetente Anleitung und Kontrolle durch Trainer etc.) ab.
« Letzte Änderung: 06. Juli 2014, 16:20:40 von ex.pectus »
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Re: Vor und 2,5 Jahre nach OP (Berlin Buch Nuss)
« Antwort #7 am: 08. Juli 2014, 00:20:42 »

Zum Thema Regeneration: ich trainiere ja die gleiche Muskelgruppe immer erst wieder nach 3 Tagen. Heißt Montag alle drückenden Übungen (Brust, Trizeps, Schulter), Dienstag alle ziehenden (kompletter Rücken und Bizeps) und Mittwoch nur Beine. Donnerstag und Freitag wieder Brust und Rücken. So hat jede Muskelgruppe genug Zeit, sich auszuruhen. Das Wochenende mach ich dann Pause. Man kann natürlich auch Jeden Zweiten Tag trainieren oder sich das anders einteilen, aber das muss man dann selber für sich rausfinden. Zu den Fortschritten kann ich nur so viel sagen, dass es bisher immer bergauf ging, das liegt bei mir aber schlicht und einfach daran, dass ich noch im Anfangsstadium bin. Von daher kann ich leider keine Aussage treffen, ob nun hohe Frequenz oder längere Pausen mehr gebracht haben.

Zum Thema sich selbst kontrollieren: du siehst ja, dass es scheinbar funktioniert. Es gibt Menschen, die können nach Lust und Laune essen und halten sich perfekt an ihrem Idealgewicht. Und dann gibt es Menschen, die müssen sich eben kontrollieren (egal ob jetzt um abzunehmen oder zuzunehmen). Würde ich so essen, wie ich Lust hätte, wäre ich sehr schnell wieder bei 70kg. Aber so ist es nunmal und man muss für sich selbst entscheiden, was man möchte welchen Aufwand man dafür betreiben will. Ich respektiere jeden dünnen Menschen, der so bleiben möchte, wie er ist oder jeden dicken Menschen, der mit sich selbst zufrieden ist. Es kann jeder machen, was er will. Aber die Möglichkeiten sind jedenfalls da.

Den letzten Punkt, den du ansprichst, möchte ich auch nochmal kommentieren. Ich würds definitiv so machen, denn damit erreichst du am meisten. Bin auch damals direkt in die Ecke gegangen und hab losgelegt. Die Grundübungen decken alle zusammen den gesamten Körper ab. Mit jeder Grundübung trainiert man ja gleich mehrere Muskeln auf einmal. Damit ist man recht effektiv und spart auch ne Menge Zeit. Natürlich sollte die Technik immer stimmen. Am besten ist es, man lässt es sich von einem qualifizierten Trainer zeigen und beschäftigt sich selber ein wenig damit. Gerade beim Kreuzheben kann man sich mit der falschen Technik die gesamte Wirbelsäule zerschießen, auf der anderen Seite ist das die beste Übung für einen gesunden und starken Rücken, wenn man sie richtig macht. Bei den Kniebeugen das gleiche. Deshalb ist eine Anleitung am Anfang unumgänglich. Danach muss man probieren, wie man am besten zurecht kommt. Ich habe meine gesamtes Wissen übrigens auf Youtube gesammelt. Dort gibt es von Sportwissenschaftlern über Hobbybodybuilder bis hin zu Idioten alles. Deshalb möchte ich hier auch keine direkten Kanalempfehlungen geben, weil dort viel Unsinn erzählt und Werbung gemacht wird (wer dennoch will - PM). Denn wie überall im Internet muss man auch dort Informationen gut filtern und hinterfragen. Aber falls jemand Interesse speziell an einer Übungsausführung hat, dann kann ich euch gern ein paar Videolinks raussuchen und per PM schicken.
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