Autor Thema: OP nach Nuss 2013, mit mehreren Komplikationen  (Gelesen 2602 mal)

juli454

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OP nach Nuss 2013, mit mehreren Komplikationen
« am: 10. Oktober 2014, 02:31:45 »
Nachdem ich schon sehr lange Mitleser in diesem Forum bin, möchte ich jetzt auch meinen Erfahrungsbericht posten.

Ich bin 25 und weiblich.

Ausgangssituation: Starke Trichterbrust, quasi schon von Geburt an
OP nach Nuss: Februar 2013 mit 23 Jahren, mit mehreren Komplikationen, es wurden 2 Bügel eingesetzt

1. KH Aufenthalt: Die OP dauerte ca 4 Stunden und verlief gut. Die Schmerzen waren extrem, besonders nach 3-4 Tagen waren sie so stark, dass ich zeitweise wünschte mein Leben würde ein Ende nehmen. Ich bekam sehr hochdosiert Morphine (noch mehr ging laut Ärzten nicht, da sie eine Atemdepression befürchteten - Ruhepuls zeitweise unter 50 (normal bei mir ca 70) + sehr wenige Atemzüge pro Minute) die nur schrittweise unter starken Schmerzen abgesetzt werden konnten. Ich bekam 12 Tage Antibiotika iv, die CRP Werte waren normal und fielen konstant. Nach 2 Wochen wurde ich entlassen.

Zu Hause noch immer hoher Schmerzmittelkonsum: Zusätzich zu 200mg Tramal und 400-600mg Voltaren pro Tag bekam ich regelmäßig Infiltrationen. Ich konnte alleine kaum aus dem Bett aufstehen. Nach einigen Tagen: Starke Atemnot + Fieber bis ca 38.5 Grad. --> Lungenröntgen. Diagnose: Starker Pleuraerguss, sowie vermutete Lungenentzündung, CRP: 140

--> 2. KH Aufenthalt: Es folgte eine OP zum legen einer Bülaudrainage wegen dem Pleuraerguss, während der OP wurden 600ml Flüssigkeit abgezogen. Extreme Schmerzen nach der OP (Vermutlich durch eine Rippenfellentzündung, da durch das entfernen der Flüssigkeit eine direkte Reibung entstanden ist). Nach 6 Tagen wurde eine zweite OP gemacht, da sich auf der anderen Seite ebenso ein Pleuraerguss gebildet hat (wieder 500ml Flüssigkeit abgezogen). Die Drainagen lieferten noch soviel Flüssigkeit, dass ich erst nach 14 Tagen entlassen werden konnte. Ich hatte noch immer Atemnot, das CRP war aber nach 14 Tagen Antibiotika iv auf 10 gefallen. Ich wurde mit einer Packung Antibiotika in Tablettenform entlassen.

Zu Hause ging es langsam bergauf: Mein Körper gewöhnte sich endlich an die Bügel und ich konnte die Schmerzmittel etwas reduzieren (50mg Tramal + 200mg Voltaren pro Tag). 2 Tage nach Absetzen der Antibiotika bekam ich immer wieder Schmerzattaken in der linken Schulter, die auch mit starken Schmerzmitteln nicht besser wurden. Außerdem hohes Fieber bis 39,5 Grad. Lungenröntgen unauffällig. Da es zu keiner Besserung kam und mein Puls stark erhöht war (Ruhepuls: 110) wurde ein EKG gemacht. Ergebnis: Starke Abweichungen

--> 3. KH Aufenthalt (diesmal in einem anderen Spital): Diagnose: Starke Perikarditis incl Perikarderguss, CRP 240, + wieder ein leichter Pleuraerguss. Ich hatte zwar keine extremen Schmerzen fühlte mich aber total schwach und konnte kaum mehr aus dem Bett aufstehen. Sobald ich mich nur kurz aufsetzte stieg der Puls auf über 140 an. Es konnte trotz diverser Blutabnahmen kein Keim nachgewiesen werden und auch diverse Tests auf Rheuma etc. verliefen negativ. Das CT zeigte ein vergrößertes Herz an und die Ärzte waren sich nicht sicher, ob das alles wieder wird und wirkten sichtlich besorgt (was mir damals noch größere Angst machte). Ich bekam ein anderes Antibiotikum iv, das aber Gott sei Dank sehr gut anschlug. Das Fieber sowie der CRP Wert fielen rasch. Nach gut 2 Wochen konnte ich wieder entlassen werden, das EKG war weiterhin abnormal und es wurde mir gesagt, dass das wahrscheinlich für immer so bleiben wird. Durch die starke Entzündung ist auch eine leichte Vernarbung am Herzbeutel entstanden, die mich allerdings nicht beeinträchtigt.

Was ich genau hatte kann niemand mit 100%iger Sicherheit sagen. Vermutet wurde ein Keim und so etwas ähnliches wie ein Postkardiotomiesyndrom ausgelöst durch die TB OP. Ich hatte dann noch zweimal einen Rückschlag und einen neuen Perikarditis Schub, seit August 2013 bin ich allerdings beschwerdefrei und sogar das EKG hat sich wieder normalisiert.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich viel zu leichtfertig an die OP herangegangen bin. Ich hab zwar einige Erfahrungsberichte gelesen, bei denen es Komplikationen gab, hätte aber niemals damit gerechnet, dass alles so langwierig wird. Die Schmerzen waren teilweise kaum zu ertragen (wobei ich nicht weiß, ob das nicht aufgrund der vielen Entzündungen verstärkt war).

Dennoch: Ich bin mit dem optischen Ergebnis sehr zufrieden. Es ist nicht perfekt, aber verglichen mit vorher eindeutig eine starke Verbesserung. Die Bügel nehme ich kaum mehr wahr, was ich damals nie für möglich gehalten hätte. Nur am Bauch liegen ist bei härterem Untergrund etwas unangenehm, ansonsten bin ich überhaupt nicht beeinträchtigt. Ob es das alles wert war? Aus medizinischer Sicht bestimmt nicht. Alle Komplikationen die ich in späteren Jahren aufgrund der Trichterbrust befürchtet habe, hätten wohl niemals so schwerwiegend sein können, wie die Komplikationen nach der OP.
Aber das Gute ist, dass man all die schlimmen Schmerzen relativ schnell vergisst und wenn ich mir jetzt das Ergebnis anschaue ist ein Teil von mir doch froh, dass ich es gemacht habe. Wobei ich jetzt schon panische Angst vor der Bügelentfernung und möglichen Komplikationen dabei habe...

Ich möchte natürlich niemandem mit diesem Erfahrungsbericht Angst machen, aber vielleicht hilft es doch jemandem weiter. Als ich damals all die Beschwerden hatte, habe ich stundenlang in Foren nach ähnlichen Fällen gesucht und hatte immer etwas Hoffnung, wenn ich von ähnlichen Geschichten gelesen habe, bei denen schlussendlich alles gut ausgegangen ist.

LG, Julia