Autor Thema: Nuss Op Erfahrung  (Gelesen 248 mal)

ererfefe

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Nuss Op Erfahrung
« am: 11. April 2020, 22:08:26 »
Hallo ihr Lieben!
Auch ich wollte meine persönliche Erfahrung mit der Nuss-Op teilen, da diese Erfahrungsberichte mir persönlich vor der Op sehr geholfen haben.
Letzten Sommer (Juni 2019) wurde meine Trichterbrust mit der Nuss-Methode behoben. Das „Loch“ in meiner Brust war 4cm tief, ich war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und 1,82m groß. Außerdem bin ich ein Junge (für alle die es wissen wollen :D
Bis zur Op verlief eigentlich alles reibungslos, ich war natürlich aufgeregt aber hatte gut geschlafen. Werde jetzt direkt übergehen zur „Post-Op-Phase“.
In der Intensivstation aufgewacht konnte ich es kaum glauben! Ich hatte endlich die Brust die ich mir wünschte! Das Ergebnis war wirklich zufriedenstellend, auch wenn ich es mir anders vorgestellt hatte. Meine Rippen standen noch etwas heraus (was viele erstmal schockiert, die denken, dass die Op das auch behebt). Heute kann ich euch sagen, dass Brust-Training nochmal vieles in meinen Augen verschönert hat. Ich war vor der Op wirklich gar nicht muskulös, die Brustmuskeln mussten erst trainiert werden, bis das Ergebnis perfekt war.
Zugepumpt mit Schmerzmitteln hatte ich direkt sofort keine Schmerzen. In der Nacht bekam ich das erste mal jedoch sehr starke Schmerzen an den Seiten meines Brustkorbs und unterhalb des Bügels. Es fühlte sich so an als würde der Bügel mir wortwörtlich ins Fleisch schneiden. Dummerweise half mir das Schmerzmittel nicht. An den Behälter des Schmerzmittels (welches intravenös eingeführt wurde) war ein kleiner Knopf den ich nach Bedarf drücken durfte. Ich weiß nicht genau ob es so ist aber ich hatte nach ein paar Tagen voller schmerzen das Gefühl als wäre ich abhängig davon geworden.. ich war ständig am drücken, sodass der Behälter  nach drei Tagen entfernt wurde. Es fühlte sich an, als würde ich einen Entzug durchleben, ich war sehr schlecht gelaunt und gereizt, hab sogar nur geweint und war sehr melancholisch ja sogar depressiv! Hinzu kam dass die Schmerzen nach und nach schlimmer wurden! Ich kann euch aber ein wenig beruhigen, bei mir war es tatsächlich so, dass die Schmerzen immer nur sehr stark wurden, wenn ich mich bewegte (zum Beispiel: Aufstehen vom Sofa oder aus dem Bett). Nach ungefähr drei Tagen nach der Entlassung, also 10 Tage nach der Op, verspürte ich eine Besserung. Ich hatte zwar kontinuierlich schmerzen aber das fühlte sich eher so an als würde etwas auf den Brustkorb drücken. Es war aber auszuhalten. Man gewöhnt sich dran.. Erwähnen möchte ich ebenfalls, dass ich nach der Op 4 Tage keinen Stuhlgang hatte, bzw. es nicht rauskam und ich sehr verstopft war. Vielleicht solltet ihr darauf achten nach der OP nichts zu essen, was verstopft, weil ich echt Bauchkrämpfe hatte, die zusätzlich Druck und Nervosität verursachten. Meine Nächte waren auch kurz, man muss sich echt daran gewöhnen, 4 Tage mindestens komplett im Bett zu liegen und das unter Schmerzen. Der Blasenkatheter hat mir übrigens keine Schmerzen bereitet, er wurde sehr vorsichtig entfernt, was sich zwar befremdlich aber definitiv nicht schmerzhaft angefühlt hat. Nach zwei Wochen hat sich irgendwas entzündet was mir mega schmerzen bereitet hatte. Ich bekam eine Pille nachdem ich zur Notaufnahme fuhr und alles war wieder gut! Ich glaube so drei bis vier Wochen danach kann man sagen, dass alles so weit gut überstanden war. Ich konnte mich bis zu zwei Monaten danach nur eingeschränkt bewegen, d.h. Bücken war schwierig und manche Bewegungen gingen halt nicht mehr so schnell wie vorher. 6 Wochen nach der OP habe ich aber einige Prüfungen geschrieben und auch bestanden! Also der Kopf ist definitiv schnell nach der Op wieder belastungsfähig, das ist auch ein kleiner Tipp von mir; mir hat das Lernen fürs Studium in den schwierigen Zeiten dazu geholfen mich vom Schmerz abzulenken.
Final part, natürlich ist die Op mit Komplikationen verbunden, ich habe danach echt lange gebraucht, seelisch wieder stabil zu werden. Ich habe ein neues Lebensgefühl bekommen! Ich habe vorher so eingeschränkt gelebt, meine Sexualität nicht ausgelebt weil ich mich so vor diesem Loch schämte. Bei mir wurde die Op nur aus esthetischen Gründen gemacht. Ich hatte davor keine gesundheitlichen Probleme, ich weiß nicht wie sich das mit zunehmenden Alter verändert hätte. Doch der Aspekt dass es für mich nur um die „Schönheit“ ging, lässt mich heute anders darüber nachdenken. Klar, jetzt wo ich mich „normal“ fühle, kann ich mich eventuell nicht mehr so sehr in die Rolle von vorher hineinversetzen aber ich habe lange danach intensiv drüber nachgedacht ob ich es nochmal machen würde nur aus diesem Grund. Ich weiß nicht ob ich es normal machen würde. Die Schmerzen sind zwar nicht so stark gewesen, dass ich es in meinem Fall bereuen würde aber ich fühle mich ein wenig entfremdet, da ich meinen Körper verändert habe um einen Schönheitsideal gerecht zu werden. Traut euch auf jeden Fall euch beraten zu lassen und entscheidet dann. Ich wünsche euch alles Gute, glaubt an euch! Vor der Op war ich der unsicherste Junge und bin definitiv daran „gewachsen“. Einfach der Schritt alles alleine zu planen, hat mich selbstbewusster gemacht und auch die Tatsache, dass ich alles alleine überstanden habe.
« Letzte Änderung: 11. April 2020, 22:13:47 von ererfefe »