Kinderwunsch

Begonnen von Km91, 09. Januar 2021, 15:12:14

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Invognito

Zitat von: peca in 30. Januar 2021, 18:22:00
Ich habe auch auf eigene Kinder verzichtet, da ich die Befürchtung hatte, die Trichterbrust weiterzugeben. Mein Vater, seine Mutter und deren Bruder+seine Kinder und meine Schwester haben alle eine Trichterbrust und damit ist die erbliche Komponente gegeben. Es gibt aber auch noch andere Gründe die für mich gegen Kinder sprechen und ich bin auch schon als egoistisch bezeichnet worden und dass ich nur an mich denke, weil ich keinen Nachwuchs möchte.
Also kann man egoistisch sein, weil man Kinder möchte und genauso weil man keine will  ;)
Ja, ein Leben ohne Kind ist schön. Mir tun momentan die Muttis leid, die durch Homeschooling, Homeoffice und Kinderbetreuung nicht wissen wo ihnen der Kopf steht.

Aber rückblickend bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich wirklich körperlich perfekt, ohne Trichter, hätte geboren werden wollen, denn zu den Erfahrungen und Einsichten die ich so gewonnen habe, wäre ich ohne wahrscheinlich nicht gekommen. Deshalb würde ich einen solchen physischen Defekt gar nicht so verteufeln, zumal es ja mittlerweile hervorragende Behandlungsmöglichkeiten gibt wenn es nötig wird.

Ich wünsche mir zu 100% ich wäre ohne Trichterbrust geboren worden, jeden Tag.
Und ich kann es bei aller Liebe nicht nachvollziehen wie jemand bewusst und willentlich seine Kinder diesem Risiko aussetzt. 
Die 'Behandlungsmethoden' funktionieren nur wenn man schon im Kindsalter ansetzt, als erwachsene Person hat man, ich bitte um Verzeihung, die Arschkarte gezogen. 
Ich weiß die Nuss-Methode wird immer euphemisch als 'Minimal-Invasiv' beschrieben, aber es werden einem Titanstangen in die Brust eingesetzt und das Brustbein gebrochen damit es korrekt verheilen kann. 
Und das mutet man den eigenen Kindern zu? 
Es tut mir Leid, dass ich so drastisch klinge aber wie gesagt, mir fehlt hierbei jegliches Verständnis.

peca

Wir Menschen leiden nun mal unterschiedlich.
Für meine Schwester beispielsweise, spielt ihre Trichterbrust so gut wie keine Rolle. Sie hat ihre Prioritäten komplett anders gesetzt. Und ich fände es unheimlich schade, wenn meine Schwester nicht entstanden wäre, weil sich unsere Eltern aufgrund der Erblichkeit evtl. gegen sie entschieden hätten.
Auch eine operative Korrektur ist kein Weltuntergang (subjektive Betrachtung). Aufgrund zunehmender körperlicher Beschwerden habe ich mich letztes Jahr einer Nuss + Ravitch Operation unterzogen und der Chirurg musste Einiges korrigieren. Der Eingriff war nicht so schlimm wie befürchtet und verlief völlig unproblematisch (wieder subjektiv betrachtet). Auf die Erfahrung der Korrektur und der weiteren Entwicklung des umgebauten Brustkorbes möchte ich nicht verzichten.
Schön, dass man sich auf dieser Plattform über die unterschiedlichen Ansichten austauschen kann.

Invognito

Wobei wir wieder beim Thema Egoismus wären.

nicolchen

Es weis ja auch keiner wie in ein paar Jahren das Gesundheitssystem aussieht. Es wird ja wahrscheinlich immer mehr an Zuzahlungen verlangt. Also ist es vielleicht auch finanziell eine Frage. Das Kind muss ja schließlich auch bis zur Operation in Krankengymnastik etc. gefahren/begleitet werden.  Also falls das Kind es hätte stellt es auch einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand dar.

Invognito

Zitat von: nicolchen in 06. Februar 2021, 22:18:42
Es weis ja auch keiner wie in ein paar Jahren das Gesundheitssystem aussieht. Es wird ja wahrscheinlich immer mehr an Zuzahlungen verlangt. Also ist es vielleicht auch finanziell eine Frage. Das Kind muss ja schließlich auch bis zur Operation in Krankengymnastik etc. gefahren/begleitet werden.  Also falls das Kind es hätte stellt es auch einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand dar.

Exakt, besonders da es eh schon schwer genug ist die Krankenkasse 'zu überreden' die Kosten zu tragen.
Das wird dem demographischen Wandel sein Dank in Zukunft nur düsterer werden.

Pexc

Der demographische Wandel wird natürlich auch nicht besser, wenn man keine Kinder bekommt. Ich habe in meinem Leben trotz OP schon sehr viel mehr in die Krankenkasse eingezahlt als genutzt.
(Nur) Bei Problemen mit dieser Seite und deren Benutzern oder bei Fragen zur Technik, schickt mir eine Privatnachricht.
Meine Bilder

Hanne

Auch wenn das Thema nun schon 5 Jahre alt ist, möchte ich noch einen Kommentar hinterlassen. Denn es gibt viel mehr Menschen, die in diesem Forum nur lesen und nicht selber schreiben und auch in den alten Beiträgen lesen und sich vielleicht Rat holen. Ich akzeptiere selbstverständlich jede einzelne persönliche Entscheidung, die hier getroffen wurde und es tut mir auch sehr leid für jeden Einzelnen, der lebenslänglich unter der Trichterbrust leidet. Was mich persönlich aber doch stört, ist die Bewertung ,,egoistisch". Denn das geht über die persönliche Entscheidung hinaus und verurteilt doch jeden, der sich anders entscheidet. Es geht bei dem Thema auch nicht darum, ob man lieber ohne Trichterbrust geboren wäre. Das würde bestimmt jeder von uns sofort freudig begrüßen. Sondern es geht darum, ob wir lieber gar nicht am Leben wären. Und das kann ich für mich sofort ausschließen. Ich bin sehr gen am Leben. Und mein Leben ist so reich und besteht aus so viel mehr als der Trichterbrust. Es gibt so viele Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen, Krebs, die ebenfalls erbliche Komponenten haben können und mit wirklich deutlich stärkeren Lebenseinschränkungen einhergehen als eine Trichterbrust. Wenn wir wirklich jeder Abweichung vom ,,Normalen" sofort mit Kinderlosigkeit begegnen wollen, weil es sonst egoistisch wäre – da fallen mir ungute Vergleichsfälle aus der Historie ein. Wir geraten heutzutage mit all den technischen Kontrollmöglichkeiten des Lebens manchmal in Richtung eines körperlichen Optimierungswahns, den ich nicht gut finde. Ich kenne so viele Menschen, die Beeinträchtigungen haben und jenseits des ,, Normalen" (was auch immer das ist) stehen und die sind alle eine Bereicherung für unser Leben. Ich kenne auch zwei Frauen, die von Erbkrankheiten betroffen sind, die wirklich drastische Auswirkungen haben und die zu 50% weitervererbt werden (mit Erblindungen im Jugendalter bzw. lebenslänglichen starken körperlichen Schmerzen), und die sich verständlicherweise gegen Kinder entschieden haben. Aber in dieser Kategorie sehe ich eine Trichterbrust nicht.
Statistisch gesehen (ich weiß dem Einzelfall hilft keine Statistik, aber vielleicht zukünftigen Eltern...) haben die wenigsten Menschen mit Trichterbrust organische Einschränkungen. Was bleibt, ist die seelische Komponente. Wie jedoch Peca schreibt, ist dies etwas an dem man wachsen kann. Und es gibt heutzutage Saugglocken, die es für viele ältere Semester in der Jugend noch nicht gab. Damit lassen sich vermutlich viele Ops umgehen.
Für die stummen Leser möchte ich noch hinzufügen, dass Menschen, die in einem Forum schreiben, auch immer Menschen sind, die unter akuterem Leidensdruck stehen und nicht für alle Betroffenen stehen. Eine Trichterbrust wird zudem nicht automatisch vererbt. Meine Tochter hat sie nicht geerbt. Und ich kenne im Bekanntenkreis noch 2 Männer mit Trichterbrust, der eine hat zwei, der andere drei Kinder, die allesamt keine Trichterbrust haben. Wie gesagt, ich respektiere es, wenn jemand mit Trichterbrust sich persönlich gegen Kinder entscheidet. Aber es ist nicht egoistisch, wenn man eine Trichterbrust hat und sich für Kinder entscheidet.